Fuchsis Road to Rio (1) - Die Reise beginnt

Aktuell kämpfen Spieler rund um die Welt für ihren Startplatz bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro - u.a. auch der deutsche Doppel- und Mixedspezialist Michael Fuchs. Das Team von Smashing-News begleitet den deutschen Top-Spieler in den nächsten Monaten auf seinem Weg zum absoluten Saisonhöhepunkt in Brasilien und berichtet bei "Fuchsis Road to Rio" über das wohl anstrengendste aber auch spannendste Jahr eines jeden Badmintonsprofis. Knapp ein Jahr vor dem sportlichen Event sprachen wir im Exklusivinterview mit ihm über seine Einschätzung der bisherigen Turniere, die Doppelbelastung, sich in zwei Disziplinen qualifizieren zu wollen, weshalb er froh ist, nicht mehr mit Excel arbeiten zu müssen und über entspannte Hausmeister.

 

Smashing-News: Hallo Michael. Vielen Dank, dass du dir Zeit für ein Interview genommen hast und wir dich im kommenden Jahr begleiten dürfen. Die Olympiaqualifikation läuft schon seit über drei Monaten. Wie zufrieden bist du mit dem bisherigen Verlauf?

 

Michael: Im Mixed bin ich bisher sehr zufrieden mit dem Beginn der Qualifikation. Birgit (Michels, Anm. d. Red.) und ich haben durch Sudirman Cup, WM und die Nordamerika Tour schon viele wichtige Punkte sammeln können und sind glaube ich auf einem guten Weg. Im Doppel konnten wir wegen der Verletzung von Johannes (Schöttler, Anm. d. Red.) die erste Asientour nicht spielen. Ich bin froh, dass er nun wieder fit ist und wir gemeinsam an den Start gehen können. Leider hatten wir bisher einige schwere Lose und haben noch nicht viele Punkte einfahren können. Dennoch waren aus spielerischer Sicht durchaus schon viele gute Partien dabei und ich bin optimistisch für die kommenden Turniere.

 

Smashing-News: Inwiefern unterscheidet sich denn die Olympiaqualifikation von einem normalen Turnierjahr?

 

Michael: Der größte Unterschied ist sicher, dass alle Turniere sehr stark besetzt sind. Da jeder seine besten zehn Wertungen einbringen kann, hat man natürlich einen Vorteil, wenn man viele Turniere spielt. Dadurch gibt es kaum Wettkämpfe auf der Tour, bei denen man leicht Punkte holen kann. Alle Spieler kämpfen um jeden Zähler.

 

Smashing-News: Und merkt man bei vielen Spielern auch mehr Anspannung?

 

MIchael: Ja, vor allem, wenn sich die Quali dem Ende entgegen neigt und es um die letzten Startplätze geht, kann man immer wieder beobachten, dass Spieler Nerven zeigen und es zu der ein oder anderen Überraschung kommt. Natürlich ist das eine ganz besondere Drucksituation, mit der man erst einmal zurecht kommen muss.

 

Smashing-News: Du versuchst ja, dich ja in zwei Disziplinen zu qualifizieren. Die meisten Spieler konzentrieren sich auf eine. Wieso traust du dir beides zu und denkst du, das Ganze hat Vor- bzw. Nachteile für dich?

 

Michael: Natürlich stellen zwei Disziplinen eine größere körperliche Belastung dar. Vor allem, wenn ich im Doppel und im Mixed weit komme, können die Turniere schon extrem hart werden. Aber ich fühle mich körperlich topfit, mir macht beides unglaublich viel Spaß und ich traue es mir auch zu, die Qualifikation in beiden Disziplinen zu packen. Außerdem ist es mental natürlich immer ein Vorteil, wenn man weiß, dass man eine zweite Disziplin in der Hinterhand hat.

 

Smashing-News: Welches sind deine persönlichen Highlights des Jahres und welche exotischen Turniere stehen auf dem Programm?

 

Michael: Die beiden Highlights sind mit dem Sudirman Cup und der WM in Indonesien leider schon vorbei. Aber mit einem Turnier in Guatemala in zwei Wochen steht etwas komplett Neues für mich auf dem Programm. In der Olympiaquali spielt man oft außergewöhnliche Turniere, aber in Mittelamerika war ich noch nie und bin sehr gespannt, wie es wird.

 

Smashing-News: Du sprichst es schon an: im vorolympischen Jahr kommt man viel rum und spielt auch mal Turniere, die nicht unbedingt in Badmintonnationen stattfinden. Erlebst du dabei auch skurrile Sachen?

 

Michael: Ja, da fällt mir zum Beispiel das Turnier in Marokko vor vier Jahren ein. Am Finaltag sind Birgit und ich eine Stunde vor Spielbeginn zur Halle gefahren und standen plötzlich mit den anderen Finalteilnehmern vor verschlossenen Türen. 20 Minuten später kam dann der Hausmeister und hat uns seelenruhig aufgesperrt. Schon ein kleiner Unterschied zu den großen Turnieren in Europa und Asien (lacht).

 

Smashing-News: Vor vier Jahren hast du dich schon einmal auf Olympia vorbereitet. Denkst du, das verschafft dir einen Vorteil gegenüber den Spielern, die zum ersten Mal versuchen, sich zu qualifizieren.

 

MIchael: Ja auf jeden Fall. Zum einen weiß ich einfach schon, wie das Jahr in etwa abläuft und mache mir auch nicht mehr so viel Druck wie damals vor London. Natürlich gäbe es für mich nichts Größeres, als in Rio an den Start gehen zu dürfen. Aber es ist doch ein gutes Gefühl zu wissen, dass man es schon einmal geschafft hat und das gibt mir sicher einen Vorteil gegenüber anderen.

 

Smashing-News: Woran merkst du, dass du ein wenig gelassener an die Sache heran gehst?


Michael: In meiner ersten Quali habe ich Woche für Woche eine Excelliste geführt bei der ich alle Punkte von uns und unseren direkten Konkurrenten aufgeführt habe und jedes erdenkliche Szenario der nächsten Turniere durchgespielt habe. Ganz so fanatisch bin ich jetzt nicht mehr, aber zum Glück stellt die BWF dieses Mal auch eine aktuelle Liste zur Verfügung und ich kann mir die ganze Arbeit sparen (grinst).

 

Smashing-News: Letzte Frage: Mit der WM ist gerade der Höhepunkt des Jahres vorbei, aber es bleibt nicht viel Zeit für Urlaub. Wie sehen die nächsten Wochen bei dir aus?

 

Michael: Naja, eine Woche Urlaub habe ich jetzt zumindest einmal, in der ich den Schläger aus der Hand lege, aber ich halte mich natürlich fit. In zwei Wochen beginnt ja schon wieder die Bundesliga- Saison und danach geht es dann direkt nach Guatemala - also kaum eine Verschnaufpause.

 

Smashing-News: Vielen Dank Michael und viel Erfolg für die kommenden Aufgaben. WIr freuen uns schon, dir die nächsten Monate weiter über die Schulter schauen zu dürfen!

 

Michael: Sehr gerne, ich gebe mein Bestes, euch gute Neuigkeiten zu liefern (grinst)!

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