WM Rückblick - Von "Wiederholungstätern" und ewigen Zweiten

In der vergangenen Woche fand mit der WM in Jakarta das Highlight des Badmintonjahres statt. Aber nicht nur die Weltmeister wurden gekrönt, auch frenetische Fans, Visumprobleme und Vieles mehr sorgten für Schlagzeilen. Smashing-News lässt das Turnier noch einmal Revue passieren.

Die Weltmeister:
Einen richtigen Sensationsweltmeister gab es in diesem Jahr nicht. In drei Disziplinen konnten sich die Topgesetzten durchsetzen und auch im Herrendoppel mit den Indonesiern Mohammad Ahsan und Hendra Setiawan (Weltmeister 2013) und im Damendoppel mit Zhao Yunlei und  Tian Qing aus China (Olympiasieger 2012 und amtierende Weltmeister) gewannen sicher keine Außenseiter den Titel. Trotzdem gab es in keiner Disziplin einen wirklichen Durchmarsch.

Sehr auffälig sind jedoch die vier gelungenen TItelverteidigungen (HE, DE, DD, MX), ein Kunststück, dass sonst nicht vielen Spielern gelingt. Chen Long, der als einziger Spieler im Turnier ohne Satzverlust blieb, holte sich nach 2014 seinen zweiten Weltmeistertitel und könnte in den nächsten Jahren sogar in die (zugegeben sehr großen) Fußstapfen von Lin Dan (5mal Weltmeister, 2mal Olympiasieger) treten. Carolina Marin gelang als erster Europäerin ein erneuter Gewinn der Weltmeisterschaften - und das mit gerade einmal 22 Jahren. Nach den gezeigten Leistungen in Jakarta wird sie vermutlich als eine der Topfavoritinnen im kommenden Sommer nach Rio fliegen.

Bild: DBV
Bild: DBV

Die Deutschen:
Schon vor der WM war klar, dass es aus deutscher Sicht schwer werden würde. In allen Disziplinen gab es schwierige Auslosungen zu meistern, lediglich das Mixed Fuchs/Michels hatte gute Karten, das Achtelfinale zu erreichen, doch spätestens hier warteten dann die scheinbar unbezwingbaren Chinesen Zhang Nan  und Zhao Yunlei. Und so kam es dann auch: die beiden Olympiafünften von London schafften als einzige deutsche den Sprung in die dritte Runde und zeigten gegen die amtierenden Weltmeister und Olympiasieger eine tolle Partie, mussten sich am Ende aber geschlagen geben. Im Damendoppel und Dameneinzel gab es leider drei ärgerliche Erstrundenniederlagen. Sowohl Michels/Herttrich, Nelte/Goliszewski als auch Karin Schnaase hatten die Chance, in die zweite Runde einzuziehen, doch unterlagen am Ende alle knapp in drei Durchgängen. Das Herrendoppel Fuchs/Schöttler zeigte eine gute erste Partie, war dann in der zweiten Runde aber chancenlos gegen die Chinesen Fu Haifeng und Zhang Nan. Positiv in Erinnerung wird sicher die Leistung von Marc Zwiebler bleiben. Auch wenn es bei ihm ebenfalls nicht für das Achtelfinale gereicht hat, lag das bestimmt nicht an seiner eigenen Leistung, sondern viel mehr an seinem Gegner in der zweiten Runde - Lee Chong Wei. Für die große Überraschung reichte es am Ende nicht, aber dank eines tollen Kampfes konnte sich Marc zumindest den ersten Satz im elften Vergleich gegen den Malayen holen.

Der ewige Zweite:
Trotz seiner unzähligen Superseries Titel wird Lee Chong Wei wohl auch als ewiger Zweiter in die Badmintongeschichtsbücher eingehen. Wieder einmal reichte es nach einem souveränen Weg ins Finale nur für den zweiten Platz bei einer Weltmeisterschaft. Nach zwei Finalniederlagen gegen Lin Dan bei Olympia sowie bei der WM und nun auch zwei Niederlagen gegen Chen Long bleibt Lee wohl nur noch eine Chance, einen ganz großen Titel in seiner Karriere zu holen: Rio 2016! Sicher nicht unmöglich, doch seine Leistung im Finale zeigte wieder einmal, dass er in diesen ganz besonderen Situationen nicht seine vollen 100% abrufen kann und die vielen zweiten Plätze mit Sicherheit im Hinterkopf hat. Und in einem Jahr bei Olympia, dem vermutlich letzten Turnier des Ausnahmespielers, wird das sicher nicht einfacher werden.

Top: Die Fans
Egal welcher Tag, egal welches Spiel, die Fans in Jakarta waren und bleiben einmalig! Die Fernsehbilder belegten, dass vom ersten bis zum letzten Ballwechsel eines jeden Turniertages  ohrenbetäubender Lärm in der altehrwürdigen Istora Senayan Halle herrschte - kein Wunder, dass jeder Spieler davon träumt, hier einmal spielen zu dürfen. Das krönende Highlight bildete sicher der WM-Sieg der Lokalmatadoren Ahsan/Setiwan im letzten Spiel des Turniers. Die fast 10.000 Fans holten noch einmal alles aus sich heraus und peitschten die beiden Indonesier zum Sieg. Gänsehaut pur!

Flop: Der Fall Zilberman
Neben vielen Höhepunkten und tollen Spielen hinterlässt sicher eine Geschichte einen bitteren Beigeschmack: der israelische Spieler Misha Zilberman muss wochenlang um sein Visum kämpfen, ehe ihn der BWF Generalsekretär Thomas Lund am letzten Tag vor Turnierbeginn persönlich aus Singapur abholt und die Einreise ermöglicht, nachdem ihm die indonesischen Behörden kurz zuvor eine endgültige Absage erteilten. Auch wenn Zilberman letztendlich spielen darf, wird sein Spiel unplanmäßig nach vorne verlegt und findet Medienberichten zufolge in einer fast leeren Halle statt. Nach dem Spiel wird der Israeli von vier BWF Offiziellen eskortiert und an der Mixed Zone vorbeigeführt. Interviews gibt es keine und auch auf tournamentsoftware fehlt die israelische Flagge bei jeder Ergebnissübersicht. Die Beziehungen zwischen Israel und Indonesien gelten schon seit langem als belastet.


Red

Kommentar schreiben

Kommentare: 0