Gipfelsturm im Kampf um Rio

Fotos: Bernd Bauer
Fotos: Bernd Bauer

Österreich ist bekannt für seine Berge und Gipfelstürmer. Eine Tour der besonderen Art haben die drei österreichischen Badmintonspieler Luka Wraber, David Obernosterer und Matthias Almer in Angriff genommen. Seit dem 4. Mai wetteifern sie um die Olympiaqualifikation im Herreneinzel für Rio de Janeiro und gehen weltweit auf Punktejagd.

 

Olympia ist für alle das große Ziel, aber es gibt nur ein Ticket für Österreich, also geht es darum, höher in der Weltrangliste zu klettern als die beiden Konkurrenten. Doch wie bei einer richtigen Bergtour bedarf es hierfür auch einer guten Vorbereitung, perfekter Ausrüstung und nicht zuletzt ganz viel Ausdauer.

Die Vorbereitung:

Eine erfolgreiche Qualifikation beginnt nicht erst mit der Qualifikationsphase sondern schon früher. Eine gute Ausgangsposition in der Weltrangliste ist wichtig, da man so bei vielen Turnieren im Hauptfeld und teilweise auch mit Setzplatz starten kann - und so leichter Punkte ergattert. Schon 2014 haben die drei Einzelspezialisten begonnen, sich eine möglichst hohe Platzierung zu verschaffen, damit der Weg nach oben im Hinblick auf Rio etwas leichter wird. (Wie die Qualifikation genau funktioniert , findet ihr hier)

Ein so wichtiges vorolympisches Jahr will auch gut geplant sein. Für alle stehen mehr als 20 Turniere in zwölf Monaten auf dem Programm, die sorgfältig ausgewählt werden müssen. Da die Turniere in Europa und Asien besonders im Jahr vor Olympia extrem stark besetzt sind, eignen sich kleinere Turniere in exotischeren Ländern besser, um Punkte zu sammeln.

 

Diesen Weg versuchen Wraber und Obernosterer zu gehen. Mauritius, Mexiko, Botswana oder die Dominikanische Republik sind nur einige Ziele auf ihrem Turnierplan und der Erfolg gibt ihnen recht. Aktuell stehen beide auf einem Platz, der für die direkte Qualifikation auf jeden Fall ausreichen sollte (für London war das Position 70).

David Obernosterer
David Obernosterer

Die Ausrüstung:

Die Reisen sind natürlich auch mit hohen Kosten verbunden. Viel Preisgeld gibt es auf den kleinen Turnieren meist nicht und selbst ein Turniersieg reicht oft nicht aus, um die Flug- und Hotelkosten zu decken. Alle drei sind Sportsoldaten und erhalten so finanzielle Unterstützung für ihre Karriere, so auch David Obernosterer (26).

 

Doch trotz des Bundesheergehalts, seinen Einnahmen aus der Bundesliga (Obernosterer spielt in Deutschland beim  1. BC Düren) sowie der Unterstützung vom österreichischen Verband ist er auf der Suche nach Sponsoren um die Kosten zu decken. Wraber geht es ähnlich: „Ich rechne mit etwa 25.000 bis 30.000 Euro für das Jahr und bin sehr froh, dass mir viele Sponsoren, die mich teilweise schon seit der Jugend begleiten, helfen, diese enorme Summe zu stemmen!“

Matthias Almer
Matthias Almer

Matthias Almer geht einen etwas anderen Weg. Der mit Abstand jüngste im österreichischen Trio (21 Jahre jung) spielt fast ausschließlich in Europa und versucht hier so viele Turniere wie möglich mitzunehmen. Da jeder Spieler immer seine 10 besten Turnierwertungen einbringen kann und der Rest gestrichen wird, hat man daher bei mehr gespielten Turnieren auf jeden Fall einen Vorteil. Außerdem halten sich die Kosten für Flüge in Grenzen, allerdings ist hier die Konkurrenz, wie eben bereits angesprochen, deutlich größer als beispielsweise in Afrika oder Amerika.

 

Luka Wraber (Foto: Markus Piribauer)
Luka Wraber (Foto: Markus Piribauer)

Die Ausdauer:

Doch wer bei so vielen Reisen und teils exotischen Zielen an Urlaub denkt, irrt sich gewaltig. Genau wie bei einem Gipfelsturm ist viel Ausdauer und Durchhaltevermögen gefragt. Nur wer über das ganze Jahr konstant gute Leistungen bringt und sich möglichst wenig Patzer erlaubt, hat am Ende die Chance ganz oben zu stehen.

 

Für die drei wird es dieses Jahr wohl nur noch wenige freie Wochenenden geben. Zwischen den Wettkämpfen stehen Trainingslager auf dem Programm. Zeit für Familie und Freunde bleibt nur selten. Gleiches gilt auch für die Turniere. Ist eins vorbei, geht es mit der Vorbereitung aufs nächste weiter. „Ab und zu gibt es trotzdem Genussmomente, wenn ich zum Beispiel statt auf dem Laufband auch am Strand in Mauritius joggen und danach eine Runde im Meer schwimmen kann“, schwärmt Wraber.

 

Alle drei trainieren am Bundesleistungszentrum in Wien und man fragt sich angesichts der Situation zwangsläufig, wie es zwischenmenschlich bei den Trainingspartnern aussieht. Badminton ist eine Individualsportart und die drei sind, besonders in diesem Jahr, mehr Rivalen denn je. „Ich verstehe mich mit Luka und David sehr gut und finde nicht, dass sich seit dem Start der Quali etwas verändert hat“, so Almer.

 

„Natürlich ist man jetzt beim Zuschauen oder vor dem Live Score nervöser als sonst. Was mir aber nicht gefällt ist, dass man immer hoffen muss, dass es für die anderen nicht so gut läuft“, meint Obernosterer. Aber es ist eben ein besonderes Jahr und am Ende kann es auf jeden Weltranglistenpunkt ankommen. Wraber fasst die Situation so zusammen: „Natürlich gibt es hin und wieder etwas 'intensivere' Momente, aber das ist im Spitzensport ganz normal denke ich.“

Der Ausblick:

Nach etwa vier Monaten Qualifikation steht Wraber mit Rang 52 knapp vor seinen beiden Kontrahenten und konnte mit zwei Turnierfinals schon wichtige Punkte sammeln. „Ich denke ich habe einen super Start erwischt“, so der 25-Jährige Wiener zu dem bisherigen Verlauf.

 
Obernosterer rangiert mit Platz 63 knapp dahinter: „Trotz einer bitteren Niederlage bei der WM in Jakarta konnte ich schon ein Turnier gewinnen und denke, es wird am Ende ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Luka Wraber.“

 

Almer hatte seit Mai immer wieder mit gesundheitlichen Problemen und Verletzungen zu kämpfen und konnte noch nicht so viele Punkte sammeln. Mit Rang 101 ist er aktuell Dritter im Trio. Bis zum Stichtag sind es noch fast acht Monate und damit Zeit genug, um sich an den anderen beiden vorbei zu schieben.
 
Es bleibt spannend, welcher der drei Österreicher am Ende des Gipfelsturms im Kampf um Rio ganz oben stehen wird. Wir wünschen allen viel Erfolg und werden den Aufstieg weiter verfolgen.

Red

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