Der Olympia-Formcheck: Herreneinzel

Bilder: Bernd Bauer
Bilder: Bernd Bauer

Es sind nur noch knapp 10 Monate bis zum olympischen Badmintonturnier in Rio. Die Olympiaqualifikation ist in vollem Gange und mit den Weltmeisterschaften im indonesischen Jakarta ist auch der letzte Höhepunkt vor den Olympischen Spielen absolviert. Ein guter Zeitpunkt um die aktuelle Form und die Aussichten der Medaillenkandidaten zu analysieren. Wir beginnen mit dem Herreneinzel. 

 

Chen Long freut sich über WM-Gold / Foto: Bernd Bauer
Chen Long freut sich über WM-Gold / Foto: Bernd Bauer

Chen Long (CHN)

Anfangen wollen wir natürlich mit der Nummer 1 der Welt. Der konstanteste Spieler der Weltelite scheint auch in diesem Jahr in Topform zu sein. Nach seinem Weltmeistertitel im August in Indonesien, gewann er mit den Korea Open nur wenige Wochen später das nächste Superseries-Event. Insgesamt 8 Turniersiege, darunter die prestigeträchtigen All England Open oder die Australian Open, sprechen eine deutliche Sprache. Es ist wohl davon auszugehen, dass Chen Long auch in Rio ganz oben auf der Meldeliste steht und als Favorit ins olympische Turnier gehen wird. Zu groß scheint schon sein Vorsprung in der laufenden Olympiaqualifikation, zumal nicht mit einem Einbruch des Chinesen zu rechnen ist. Aktuell liegt er über 20.000 Weltranglistenpunkte vor Dänemarks Jan O Jörgensen und auch im sogenannten Race to Rio (hier gehen alle Wertungen seit Beginn der Olympiaqualifikation ein) hat er einen großen Vorsprung. Zehn Monate ist eine lange Zeit, doch wer Olympiasieger werden will, der muss auf dem Weg zu Gold, Stand heute, an Chen Long vorbei. 


Lee Chong Wei (MAS)

Zwei olympische Endspiele, zwei Mal olympisches Silber. Drei Finals bei Weltmeisterschaften, drei Mal Platz zwei (die Silbermedaille bei den Titelkämpfen 2014 wurde ihm aufgrund eines positiven Dopingtests aberkannt und fällt damit aus der Statistik). Die Bilanz bei Großereignissen von Lee Chong Wei liest sich erschreckend. Zum Vergleich gewann er in seiner Karriere über 30 Superseries-Events. Die sportliche Qualität für den ganz großen Wurf besitzt der 32-jährige ohne jeden Zweifel. Sein aktueller Coach Hendrawan, selbst ehemaliger Weltmeister, ist von seinem Schützling nach der Enttäuschung von Jakarta weiter überzeugt und glaubt an eine Goldmedaille in Rio, falls Chong Wei es schafft, seinen Spielstil entscheidend zu verändern. Außenstehende fragen sich nur, ob nicht eher ein mentales Problem vorliegt, bei insgesamt sechs Niederlagen in WM oder olympischen Endspielen besitzt dieser Ansatz wohl seine Berechtigung. Nach seiner Dopingsperre schien der Malaie auf einem guten Weg. Er gewann direkt die beiden Turniere in den USA und Kanada und erreichte einmal mehr das WM-Finale, doch die Niederlage gegen Chen Long bewirkte, wie so oft in seiner Karriere, einen kleinen Knacks und die folgenden zwei Turniere in Korea und Japan verliefen daraufhin sehr enttäuschend aus Sicht des Vize-Weltmeisters. Kann Lee Chong Wei seinen Finalfluch beenden und zum Abschluss seiner Karriere die letzte Chance auf einen großen Titel in Rio nutzen? Dies wird eine der spannendsten Fragen sein, die es im kommenden Sommer zu beantworten gilt. 

 

Lin Dan (CHN)

Der zweifelsfrei mit Abstand erfolgreichste Herreneinzelspieler, den die Sportart Badminton jemals herausgebracht hat. Der mittlerweile 32-jährige Olympiasieger von Peking (2008) und London (2012) ließ nach einigen schwächeren Auftritten der Vergangenheit wieder einmal von sich aufhorchen. Bei den Japan Open vor drei Wochen stand Lin Dan nach langer Zeit mal wieder in einem großen Finale und gewann dieses, nach toller Aufholjagd gegen Viktor Axelsen, in drei knappen Sätzen. Neben seinem Erfolg in Tokio, steht bisher nur der Gewinn der Asienmeisterschaften in diesem Jahr auf der Habenseite des fünfmaligen Weltmeisters. Doch die Konkurrenz sollte gewarnt sein, denn bisher wirkte es, als könne sich Lin Dan immer auf den Punkt topfit vorbereiten. Schon vor den Olympischen Spielen 2012 in London musste er einige Niederlagen hinnehmen, bei den absoluten Höhepunkten trat er jedoch immer in Topform an und konnte seinen Dauerrivalen Lee Chong Wei ein ums andere Mal besiegen. Zwar fehlt ihm Aufgrund seines fortgeschrittenen Alters die Konstanz der früheren Jahre, doch mit seinem Sieg in Japan hat Lin Dan gezeigt, dass er auch mit 32 noch Turniere gewinnen kann. Passend dazu wirkt seine Ankündigung, seit Monaten sein Training nur auf Rio auszurichten, als eine Art Drohung für die Konkurrenz. 

 

Jan O Jörgensen (DEN) / Foto: Bernd Bauer
Jan O Jörgensen (DEN) / Foto: Bernd Bauer

 Jan O Jörgensen (DEN)

Eine mysteriöse Krankheit in Folge der WM in Indonesien fesselte Jörgensen tagelang an sein Bett.  Infolgedessen musste der WM-Dritte von Jakarta die folgende Asientour in Japan und Korea absagen. Bisher stand er seit Beginn der Olympiaqualifikation im Mai in Australien im Halbfinale und bei den Indonesia Open sogar im Finale. Dazu kommt der bereits erwähnte 3. Platz bei den Weltmeisterschaften im August, die erste WM-Medaille der Karriere. Dort unterlag er im Halbfinale Lee Chong Wei, gegen den er im Head-to-Head bei einem Sieg und 13 Niederlagen steht. Auch gegen Weltmeister Chen Long gelang dem Dänen bisher nur ein Sieg in acht Partien. Für den ganz großen Wurf, also olympisches Gold, müsste wohl sehr viel zusammen kommen für den 27-jährigen. Erst einmal stellt sich die Frage, ob er bis zu den kommenden Turnieren in Europa (French und Denmark), nach seiner Krankheit zurück zu alter Form findet.

 

Viktor Axelsen (DEN)

Natürlich ist es eine Enttäuschung, wenn man auch sein viertes Superseries-Finale der Karriere verliert. Doch Viktor Axelsen zeigte nicht nur durch seine Finalteilnahme bei den Japan Open, dass er zur absoluten Weltklasse gehört. Bei den Weltmeisterschaften im August scheiterte er zwar im Viertelfinale, doch das Spiel gegen den späteren Weltmeister Chen Long zählte zu den absoluten Highlights des Turniers. Bei einer anderen Auslosung hätte für den letztjährigen Bronzemedaillengewinner auch mehr herausspringen können. Wer wie Axelsen innerhalb von sieben Monaten in drei Superseries Endspielen steht, den sollte man auch im Hinblick auf Rio 2016 im Hinterkopf haben. Doch um am Ende eines Turniers auch mal oben zu stehen, muss ein Sieg gegen einen der ganz Großen her. Das fehlt bisher weitestgehend in der Vita des Dänen. So gewann der 21-jährige bisher keines seiner fünf Matches gegen Chen Long und auch gegen Lee Chong Wei blieb er in sechs Aufeinandertreffen sieglos. Lediglich gegen Lin Dan konnte er in diesem Jahr eine Partie gewinnen. 

 

Kento Momota (JAP)

Die japanische Hoffnung im Herreneinzel für das kommende Jahrzehnt. Der 21-Jährige liegt aktuell auf Platz 4 der Weltrangliste und gewann mit den Indonesia Open schon einen absoluten Hochkaräter in diesem Jahr. Auch bei der WM konnte sich Momota mit Platz 3 an gleicher Stelle eine Medaille sichern. Mit seinen jungen Jahren verzückt der Japaner seine Fans vor allem durch seine Ruhe auf dem Court und die stark ausgeprägte Spielübersicht. Auch in Korea schaffte er es vor zwei Wochen aufs Podium. Für die Olympischen Spielen 2020 in seinem Heimatland setzt man große Hoffnungen in den Jugend-Weltmeister von 2012. Geht seine Entwicklung in dem Maße weiter wie bisher, so ist mit Momota aber auch schon in zehn Monaten in Rio zu rechnen. Nicht umsonst belegt er im Race to Rio Platz 3 und liegt damit vor Lin Dan, Axelsen und Jörgensen. 

 

Ajay Jayaram (IND)/ Foto: Bernd Bauer
Ajay Jayaram (IND)/ Foto: Bernd Bauer

Das Verfolgerfeld

Im Sport ist allgemein alles möglich und vor allem auf die Disziplin des Herreneinzels scheint diese Weisheit anwendbar zu sein. Dies bewies nicht zuletzt der Inder Ajay Jayaram. Der Weltranglisten-25. bezwang in Korea in der 1. Runde nicht nur Viktor Axelsen, immerhin Finalist der Japan Open eine Woche zuvor, sondern erreichte durch eine Siegesserie sogar das Endspiel des Superseries Turnier, in dem er dann Weltmeister Chen Long unterlegen war. Dies ist nur eines von vielen Beispielen der letzten Monate. So ist Taiwans Tien Chen Chou, der aktuell im Race to Rio Platz vier belegt, mittlerweile auch oft im Halbfinale der großen Turniere anzutreffe. Auch der Inder Srikanth Kidambi, Nummer 5 der Welt, und Wan Ho Sho aus Korea sind weiterhin zu beachten und kommen für eine Medaille in Rio in Frage. 

 

Analyse:

Stande heute ist Chen Long der große Favorit für das olympische Turnier in Rio, oder wird der große Lin Dan sich doch seine dritte Goldmedaille schnappen? Gibt es ein Happy End für Lee Chong Wei und besitzen die Europäer realistische Chancen auf den Sieg? Diese Fragen werden in den kommenden Monaten beantwortet. Es ist zu hoffen, dass alle Spieler verletzungsfrei bleiben und somit bestens vorbereitet in die "heiße" Phase vor Olympia starten können. Schon die folgenden Wochen werden Aufschluss über die aktuelle Form der Athleten geben, denn mit den Denmark Open, French Open und den Bitburger Open in Saarbrücken finden gleich drei wichtige Turniere in Europe statt. Smashing-News wird natürlich über alle drei Events berichten. 

 

Red

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Kommentare: 2
  • #1

    Karol Engel (Sonntag, 05 Februar 2017 19:03)


    Thanks in support of sharing such a good opinion, paragraph is nice, thats why i have read it completely

  • #2

    Dewey Magby (Montag, 06 Februar 2017 14:47)


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