Bundesliga: Regeländerungen ein Schritt in die richtige Richtung?

Während Marc Zwiebler am vergangenen Samstag in der Saarlandhalle um den Finaleinzug bei den Bitburger Open kämpfte, fand in den Katakomben des Austragungsortes noch ein anderes Ereignis statt, das für das deutsche Badminton von großer Bedeutung sein könnte. Bei der Bundesligavollversammlung trafen sich erneut Teammanager der Erst- und Zweitligateams, um über die erarbeiteten Vorschläge bezüglich einer Neustrukturierung der Bundesliga abzustimmen. Doch welche Änderungen kommen auf die Bundesligisten zu und was sind die Hintergründe für die Neuerungen?

Sieben Spiele und zehn Mannschaften:

Die wohl am meisten diskutierte Neuerung, die am Wochenende mehrheitlich beschlossen wurde, ist die Festlegung auf sieben ausgetragene Spiele sowohl für die 1. als auch die 2. Bundesliga. Dabei kommt für die höchste Spielklasse zu den bisherigen sechs Spielen das zweite Herrendoppel dazu, für die 2. Liga wird das dritte Herreneinzel gestrichen. Außerdem sollen die zweiten Ligen, genau wie Liga 1, auf zehn Teams aufgestockt werden.

 

Schon häufig wurde in den letzten Jahren an kleinen Stellschrauben gedreht, um die Bundesliga attraktiver zu machen, doch eher mit mäßigem Erfolg. DIe Erhöhung auf zehn Teams in der ersten Liga stellte sich bereits diese Saison als Problem heraus, da sich nach dem Rückzug von Rosenheim und Dortelweil am Ende nur neun Mannschaften fanden, und auch geänderte Rahmenbedinungen (wie beispielsweise Teppiche um die Felder) haben die Attraktivität der Liga kaum gesteigert. Lediglich die Verringerung auf sechs Spiele und die daraus resultierende kürzere Spieldauer wurde von den Erstligisten durchweg positiv aufgenommen. Doch warum soll dann genau jetzt wieder ein Spiel dazu kommen und wieso möchte man die zweite Liga vergrößern, wenn doch schon im Oberhaus nicht genug Teams vorhanden sind?

 

Großer Umbruch geplant:

Der Gedanke dahinter ist nicht die unmittelbare Steigerung der Attraktivität durch neue Regeln. Vielmehr hat sich die Bundesliga das anspruchsvolle Ziel gesetzt, sich zu verselbstständigen, verbunden mit der Chance auf eine bessere einheitliche Vermarktung und Außendarstellung der Liga. Diesen Weg gingen bereits andere Randsportarten, die mit ähnlichen Problemen wie Badminton zu kämpfen hatten. Bestes Beispiel ist hier wohl Tischtennis. Hier gründeten die betroffenen Clubs vor etwa fünf Jahren die TTBL Sport GmbH als Dachverband, und profitieren seitdem davon, da sie beispielsweise über Änderungen der Liga oder auch über die Vermarktung von Bildmaterial selbst entscheiden können und nicht mehr vom Verband abhängig sind.

 

Um diesen Schritt auch im Badminton gehen zu können, war aber zunächst die übergeordnetet Aufgabe, aus der Bundesliga ein Produkt zu machen, das sich auch vermarkten lässt. Daraus folgte letztendlich der Gedanke, die beiden Ligen im Bezug auf Spielsystem und Ligastärke anzugleichen, vor allem um ein professionelles Auftreten nach Außen zu gewährleisten und um die Aufstiegsbereitschaft der Zweitligisten zu steigern. Häufig nahmen Teams ihr Aufstiegsrecht nicht wahr, da der Wegfall von zwei Spielen einen großen Umbruch für die Mannschaft darstellen würde. Eine Bundesliga mit zu wenig Mannschaften sollte für die nächsten jahre unbedingt verhindert werden. Da fast alle Bundesligateams aber nicht von den sechs (1. Liga) bzw. acht Spielen (2. Liga) abweichen wollten, wurde zuletzt mit sieben Spielen ein Kompromiss gefunden, mit dem eine Mehrheit der Teamchefs leben konnte und der im Hinblick auf die Abkopplung vom DBV als unumgänglich angesehen wurde. Gleiches gilt für die Erhöhung der Mannschaftsanzahl.

 

Ein Schritt in die richtige Richtung?

Natürlich gibt es auch eine kritische Sichtweise auf die Neuerungen. Viele Zweitligisten verlieren durch den Wegfall des dritten Einzels die Chance, Eigengewächse und Identifikaitionsfiguren des Vereins zum EInsatz zu bringen und es könnte auch den Einkauf von noch mehr Ausländern begünstigen. In Liga 1 erhöht sich wiederum die Spielzeit durch das zusätzliche Spiel, was man eigentlich zu verhindern versuchte. Eventuell soll aber eine Kürzung des dritten Satzes dem entgegenwirken. Auch die Frage, ob es 30 Mannschaften in Deutschland gibt, die den Anforderungen einer professionellen Bundesligapräsentation gerecht werden ist berechtigt, wenn derzeit selbst das Oberhaus nicht die gewünschten zehn Teams aufbieten kann.


Auch wenn die Änderungen viele Probleme mit sich bringen, sind sie im Hinblick auf das Vorhaben, mit der Bundesliga eine Marke schaffen zu wollen, durchaus nachvollziehbar. Ob das Vorhaben aber gelingt, die Bemühungen ergebnislos bleiben, oder sich sogar negativ auf die Liga auswirken, muss abgewartet werden. Während die Festlegung auf sieben Spiele mit der Sitzung am Samstag bereits beschlossen wurde und ab der nächsten Saison in Kraft tritt, wird die Mannschaftsanzahl in Liga 2 frühestens für die Spielzeit 17/18 erhöht, sofern der Beschluss durch den Verbandstag angenommen wird.

 

Neue Playoffregeln ab nächster Saison:

Neben den beiden heiß diskutierten Punkten, gibt es noch eine weitere große Neuerung, die allerdings zu weniger kontroversen Diskussionen führte. Ab der nächsten Saison schaffen nicht nur die ersten drei, sondern gleich sechs Mannschaften den Sprung in die Playoffs. Hier spielen dann der Dritte und Sechste sowie der Vierte und Fünfte gegeneinander um die zwei restlichen Plätze für das "Final Four" (ähnlich wie beim Handball in der Champions League). Hier wird dann an einem Wochenende der deutsche Meister durch Halbfinale (samstags) und FInale (sonntags) ermittelt.

Und auch im Abstiegskampf gibt es eine Änderung. Nur der Zehntplatzierte steigt direkt ab. Das Team auf Tabellenplatz 9 spielt mit den beiden Aufstiegskandidaten aus 2. Bundesliga Nord und Süd um die beiden freien Plätze in Liga 1.

 

Diese Änderungen sollen vor allem verhindern, dass es gegen Ende der Saison viele "bedeutungslose" Spiele gibt und es bis zum Schluss für viele Teams spannend bleibt. Dieser Beschluss wurde mit großer Mehrheit angeommen und tritt ebenfalls für die kommende Spielzeit in Kraft.

 

Red

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