Fuchsis Road to Rio (3): Olympiaflair am Zuckerhut?

Halbfinale und Viertelfinale in Rio. Das würde Michael Fuchs sicher sofort unterschreiben, wenn es um die olympischen Spiele im kommenden Jahr geht. Genau das war sein Resultat bei den Brasil Open vergangene Woche, die als Testturnier für die Olympiade im nächsten Sommer angekündigt wurden. Doch gab es bei der Generalprobe, rund 250 Tage vor der großen Eröffnungsfeier, schon Olympiaflair im und um den  Austragungsort des Badmintonevents?


Schon vor den olympischen Spielen in London gab es eine art "Testturnier", damals allerdings von ganz anderem Kaliber: 2011 trafen sich die besten Spieler der Welt in der britischen Hauptstadt und kämpften um die Weltmeisterkrone an gleicher Stelle, wo nur ein knappes Jahr später dann auch die Olympiasieger gekürt wurden. Spektakuläre Matches, ausverkaufte Halle und eine beeindruckende Atmossphäre. Das sah dieses mal in Rio schon etwas anders aus.


Von der Kategorie sind die Brasil Open "nur" ein Grand Prix Turnier und die von Vielen erwartete Teilnahme zahlreicher Weltstars, die die Sportstätte schon einmal testen wollten, blieb aus diesem Grund aus. Im Herreneneinzel gab sich lediglich Lin Dan die Ehre und sicherte sich mühelos den Turniersieg. Die meisten anderen Topspieler aus Asien oder Dänemark gönnten sich nach dem letzten Superseriesturnier des Jahres (Hongkong vergangen Woche) noch einmal eine Auszeit, bevor es nach Dubai zum SUperseriesfinale geht.

Die Wettkampfhalle in Rio (Bild: Michael Fuchs)
Die Wettkampfhalle in Rio (Bild: Michael Fuchs)

Auch die Halle wirkte auf den ersten Blick alles andere als olympisch. Karge Wände und kaum Zuschauerränge in einer gigantischen Messehalle, die nichts vom Flair eines großen Badmintonevents versprühte. Auch einen Live Ticker suchte man im Internet vergeblich. Gibt es also Grund zur Sorge um das olympische Badmintonturnier?


Mit Sicherheit nicht! Natürlich hatten sich einige einen spekatkuläreren Test mit mehr Stars gewünscht, doch angesichts der vielen großen Turniere während der letzten Wochen und der verhältnismäßig geringen Zahl an Weltranglistenpunkten, die in Rio vergeben wurden, war damit nicht zwingend zu rechnen. "Ich denke der Ausrichter hatte mit dem Testturnier sicher nicht das Ziel, eine "olympiaähnliche" Veranstaltung aufzuziehen, auch wenn bereits im Gruppen-K.o System gespielt wurde. Viel mehr sollte das Turnier dazu dienen, die Abläufe und Besonderheiten zu proben, die kommenden Sommer dann perfekt funktionieren müssen," erzählt uns Michael Fuchs. Eine solche Besonderheit sind beispielsweise auch die angesprochenen Live Ergebnisse, die bei Olympia von einem exklusiven Live Ticker übermittelt werden und nicht wie gewohnt bei tournamentsoftware angeboten werden. "Der offizielle Olympia-Ticker wurde ebenfalls getestet, konnte mangels fehlender Rechte aber noch nicht online gestellt werden", erklärt uns der Bischmisheimer den fehlenden Ticker.

Doch was sagt er zu der riesigen kargen Halle? "So wie wir die Halle letzte Woche erlebt haben, ist es erstmal schwer vorstellbar, dass hier nächstes Jahr eine Olympiade stattfindet. Aber wie gesagt war es mehr ein Test für die Abläufe. Große Tribünen und die ganze Ausstattung kommt dann erst, wenn es ans Eingemachte geht und die Badmintonfans und Spieler werden bestimmt nicht enttäuscht werden denke ich", so Fuchsi, der auch beim letzten Olympiatest schon dabei war: "Damals war es natürlich etwas ganz anderes. Eine WM ist immer was besonderes und die Wembley Arena einfach eine geile Halle! Das kann man nicht mit diesem Jahr vergleichen, aber bei den Spielen 2012 sah die Halle dann auch noch einmal ganz anders aus und war nicht mit der WM zu vergleichen. Ich denke, dass wird dieses Mal genauso."


Hier entsteht das olympische Dorf (Bild: Michael Fuchs)
Hier entsteht das olympische Dorf (Bild: Michael Fuchs)

Man sollte also nicht zu viel in das Turnier aus der Vorwoche hineininterpretieren. Eine Sache bringt Sportfans dennoch ins Grübeln. Viele Sportarten haben für nächstes Jahr noch nicht einmal eine Wettkampfstätte. Um den Riocentro Pavillon 4, in dem das olympischen Badmintonturnier stattfinden wird, wird derzeit noch sehr viel gearbeitet, und zahlreiche Hallen und auch das olympische Dorf befinden sich noch im Bau.

 

Fast alle Bauten sind unter Zeitverzug und einige fürchten gar schon um die rechtzeitige Fertigstellung bis zu den Spielen. Auch IOC-Vize John Coates klagte vor Kurzem über "die schlimmsten" Vorbereitungen, die er je für olympische Spiele gesehen hat. Brasilien hat mit der Fußball WM gerade erst ein sportliches Großereignis hinter sich gebracht, das vor allem in der Vorbereitung viele soziale Probleme des fünftgrößten Landes der Welt (gemessen an der Bevölkerungszahl) offen gelegt hat. Während die großen neuen Fußballstadien seit WM-Ende fast ungenutzt brach liegen, müssen nun schon die nächsten riesigen Sportanlagen fertiggestellt werden. Das stößt bei einem Großteil der Bevölkerung auf alles andere als Zustimmung. Man darf gespannt sein, wie es weiter geht.

 

Doch trotz aller Probleme, wäre alles andere als ein großes Sportspektakel mit traumhaftem Flair an der Copacabana eine Überraschung und da möchte Michael Fuchs natürlich dabei sein. Wenn es nach dem aktuellen Race to Rio geht, wäre Fuchsi sowohl im Mixed als auch im Herrendoppel für Brasilien qualifiziert. Drücken wir also die Daumen, dass es so bleibt und er uns, wenn es dann soweit ist, Live von der Olympiaatmossphäre am Zuckerhut berichten kann!

 

Red

Einen der ersten Teile verpasst?

Hier gehts zu Fuchsis Road to Rio Teil 1 & Teil 2

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