Bundesliga: BV Mülheim beschreitet neue Wege

Foto: Marc Pastoors
Foto: Marc Pastoors

Gespannt waren die Verantwortlichen, ob das fachkundige Mülheimer Publikum dieses außergewöhnliche Spiel der Badminton-Bundesliga annehmen würde. Als um 17:13 Uhr nach rund vier Stunden Spielzeit der Matchball zum 4-2 Sieg des 1. BV Mülheim gegen den TSV Trittau in der Kundenhalle der Sparkasse Mülheim verwandelt wurde, zogen alle Anwesenden ein äußerst positives Fazit.

Wo sich von Montag bis Freitag alles um Geldgeschäfte dreht, wurde am Freitag nach Kassenschluss eine Badmintonarena vom Feinsten aufgebaut. Ursprünglich als Schnappsidee geboren, wurde es am 4. Adventssonntag zur Realität: Ein Badminton-Bundesligaspiel in der Kundenhalle der Sparkasse Mülheim. „Wir wollten ein Event durchführen, mit dem wir die Diskussion um den Austragungsmodus in der Bundesliga anheizen wollen“, so Trainer Boris Reichel im Vorfeld. Der Aufbau von acht elektronischen Zähltafeln am Spielfeldrand und vor allem von nur einem zentralem Court, auf dem sich so die Beachtung des Publikums konzentrierte, muss im Nachgang als voller Erfolg gewertet und zur Nachahmung empfohlen werden. Die Hauptakteure genossen so die geballte Aufmerksamkeit und die Stimmung sprang vom Publikum deutlich mehr als sonst üblich über. Das ausverkaufte Haus erlebte sechs spannende Spiele mit vielen Emotionen.


Gelungene Verwandlung: Die Sparkasse Mülheim als Bundesligaspielstätte (zum Vergrößern klicken)


Pünktlich um 13:00 Uhr starteten die Damendoppel auf dem Feld. Die Zwei- Generationen-Kombination, bestehend aus der 20-jährigen Lara Käpplein und der 37-jährigen Judith Meulendijks entzückten sofort das Publikum mit ihrem souveränen 21-11 und 21-4 Erfolg. Beim anschließenden Herrendoppel konnten sich die Zuschauer davon überzeugen, was Boris Reichel im Vorfeld meinte, als er von einer bombastischen Akustik der Kundenhalle sprach. Dmytro Zavadsky und Jorrit de Ruiter auf Mülheimer sowie Nikolaj Persson und Robin Tabeling auf Trittauer Seite schlugen sich die Bälle laut knallend um die Ohren. Nachdem die Norddeutschen in zwei Sätzen den Sieg einfuhren, warteten wahre Highlights auf die Sparkassen-Kundenhalle.

Zunächst jagte Alexander Roovers in seiner unnachahmlichen Art im Herreneinzel über den Platz. Die Atmosphäre schien ihn so beflügelt zu haben, dass er selbst schier aussichtslose Bälle mit Hechtsprüngen über das Netz beförderte. Das Publikum honorierte seinen kämpferischen und spielerischen Einsatz mit donnerndem Applaus. Am Ende stand ein verdienter 21-14 und 21-18 Erfolg des Mülheimers gegen Ary Trisnanto zu Buche.

Foto: Marc Pastoors
Foto: Marc Pastoors

Zum wahren Höhepunkt avancierte das Dameneinzel. Die langjährige Mannschaftsführerin Judith Meulendijks trat zu ihrem vielleicht letzten Einsatz an. Mit ihrer Art, Badminton zu spielen, eroberte sie in den letzten Jahren die Herzen des Mülheimer Publikums. Schon zum Einmarsch erntete sie den stärksten Jubel. Was Meulendijks allerdings nach siebenmonatiger Wettkampfpause und fast ohne Training auf das Parkett zauberte, faszinierte auch den letzten Anwesenden. Ihre 13 Jahre jüngere Kontrahenten Nanna Vainio verblüffte sie mit ihrem Einsatz. Mit 22-20 konnte die Niederländerin den ersten Satz für sich entscheiden. Im zweiten Durchgang lag die große Sensation lange Zeit in der Luft. Erst beim Stand von 18-18 konnte die Trittauerin und immerhin Nummer 85 der aktuellen Weltrangliste Meulendijks abschütteln und sicherte sich mit drei siegreichen Schlägen den zweiten Satz. War dachte, dass nun ein einseitiger Entscheidungssatz folgen würde, sah sich getäuscht. Zwar führte die Finnin durchweg, aber mit 21-17 rettete sie ihren Sieg knapp vor der vollkommen erschöpften Judith Meulendijks. Mit großen Emotionen, bei der das eine oder andere Auge nicht trocken blieb, wurde die sympathische Holländerin anschließend vom Publikum verabschiedet.

 

Mit dem Zwischenstand von 2-2 ging es in die abschließenden Spiele des ersten Herreneinzels und des Mixed. Zunächst verschlief der erst in der Nacht um 3:40 Uhr angereiste BVM-Spieler Dima Zavadsky den ersten Satz mit 12-12, bevor er in seiner unnachahmlichen Art mit 21-13 und 21-8 seine internationale Klasse unterstrich. Das Mülheimer Mixed, bestehend aus Jorrit de Ruiter und Johanna Goliszewski, hatten hingegen leichtes Spiel bei ihren 21-15 und 21-10 gegen die Trittauer Charlotte Persson und Robin Tabeling.

 

Und somit stand um 17:13 Uhr nicht nur das Team des 1. BV Mülheim um Mannschafsführer Alexander Roovers sondern auch das Mülheimer Publikum und der Badmintonsport als Sieger dieses besonderen Ereignisses fest.

 

Sicherlich darf ein Bundesligaspiel nicht zum reinen Showevent verkommen. Die Balance zwischen Event auf der einen und dem sportlichen Ereignis auf der anderen Seite gelang jedoch perfekt. Mit dem Sieg legte sich der 1. BV Mülheim zwei wichtige Punkte auf den Gabentisch unter den Weihnachtsbaum und festigte somit seinen sechsten Tabellenrang.

 

 

1.BV Mülheim - TSV Trittau 4-2

(HD) Dmytro Zavadsky/Jorrit de Ruiter - Nikolaj Persson/Robin Tabeling 14-21 18-21

(DD) Judith Meulendijks/Lara Käpplein - Charlotte Persson/Nanna Vainio 21-11 21-4

(DE) Judith Meulendijks - Nanna Vainio 22-20 18-21 17-21

(HE1) Dmytro Zavadsky - Nikolaj Persson 12-21 21-13 21-8

(HE2) Alexander Roovers - Ary Trisnanto 21-14 21-18

(GD) Jorrit de Ruiter/Johanna Goliszewski - Robin Tabeling/Charlotte Persson 21-15 21-10


Autor: Kai Kulschewski

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