Qualicheck Dameneinzel: Konon oder Schnaase?

Bilder: Bernd Bauer
Bilder: Bernd Bauer

Drei Monate vor  dem Ende des Qualifikationszeitraums ist im Kampf um Olympia bei den Deutschen Damen immer noch alles offen. Karin Schnaase und Olga Konon kämpfen sowohl gegen die internationalen Kriterien, als auch gegeneinander im direkten Duell um den Start in Rio, denn höchstens eine der beiden darf nach Brasilien. Doch wer hat die besseren Chancen das Rennen zu machen? Alle Fakten zum spannenden Zweikampf.

Olga Konon oder Karin Schnaase? Es ist im Hinblick auf Olympia die Frage, die wohl die meisten deutschen Badmintonfans beschäftigt. Schon seit mehreren Monaten liefern sich beide ein packendes Duell um den einzigen möglichen Startplatz für Deutschland. Dabei hätte vor einem Jahr wohl noch kaum einer mit einem Zweikampf gerechnet.

 

Schnaase liegt knapp in Führung, Konon kämpft sich heran

 

Karin Schnaase ist als 23. beste Deutsche im Race to Rio, nach Bereinigung (Spielerinnen eines Verbandes, die nicht die Qualifikationsnormen erfüllen werden ausgerechnet) der Weltrangliste wird sie auf Position 16 geführt  und wäre Stand heute für Olympia qualifiziert. Damit hätte sie vor wenigen Jahren sicher nicht mehr gerechnet. Nach Differenzen mit dem Deutschen-Badminton-Verband sah es nach dem Ende der Leistungssportkarriere der damaligen Nummer Drei hinter Juliane Schenk und Olga Konon aus. Doch die gebürtige Lüdinghausenerin kehrte nach dem überraschenden Karriereende  von Schenk nach Mülheim an den Stützpunkt der Damenationalmannschaft zurück, um sich den großen Traum von der Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen im Herbst ihrer Karriere zu erfüllen. Doch nun könnte ausgerechnet eine Konkurrentin aus dem eigenen Land den Traum zerplatzen lassen. Olga Konon, die im Juni 2011 die deutsche Staatsbürgerschaft erhielt und seitdem für Deutschland international an den Start geht, liegt derzeit nur 7 Plätze und knapp 3000 Punkte (Stand: 31. Januar 2016) hinter Schnaase im Race to Rio zurück.

  

Bild: Bernd Bauer
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Dass Konon nun sogar realistische Chancen auf eine Olympiateilnahme besitzt, hätte die gebürtige Weißrussin sicher selbst auch nicht für möglich gehalten, nachdem schwere Verletzungen sie in den letzten Jahren immer wieder zurückwarfen. So gab sie erst im März vergangen Jahres und somit nur zwei Monate vor Beginn der Olympiaqualifikation, ihr Comeback nach einer erneut langwierigen Knieverletzungen. Als damalige Nummer 360 der Weltrangliste startete Konon bei den Portuguese International in der Qualifikation. Schwerstmögliche Bedingungen da Setz- und Startplätze bei den großen Turnieren in weiter Ferne waren. Denkbar schlechte Voraussetzungen also, um Punkte für eine Olympiaqualifikation zu sammeln. Außerdem entschied sich Konon nach ihrer erfolgreichen Reha in ihrem vertrauten Umfeld in Saarbrücken nicht an den Bundes-Stützpunkt nach Mülheim zurückzukehren, was ihren Ausschluss aus der Nationalmannschaft zur Folge hatte.

Ohne großen Druck und Erwartungen kehrte Konon zurück auf den Court. Das vorrangigen Ziel war verletzungsfrei zu bleiben, doch genau diese neu gewonnene Lockerheit schien die 26-jährige Weißrussin zu beflügeln. Locker und befreit steigerte sie sich Woche für Woche und kletterte Platz für Platz in der Weltrangliste nach oben. Spätestens nach ihren Turniersiegen in der Ukraine und in Bulgarien Anfang September schien Konon zurück in der erweiterten Weltspitze. Genau diese Lockerheit schien Karin Schnaase manchmal zu fehlen. Zwar ging diese mit guten Vorraussetzungen in die Qualifikation, doch vor allem in den ersten Monaten waren die Ergebnisse nicht so, wie sich die ehrgeizige Athletin des SC Union Lüdinghausen das vorgestellt hatte. Ein immenser Druck lastete auf den Schultern der 30-jährigen. 

 

Direktes Duell in Schweden geht an Schnaase

 

Nach der Achtelfinalteilnahme bei den Indonesia Open zu Beginn der Qualifikationsphase erreichte Schnaase in den folgenden vier Monaten keine weitere Wertung über 3000 Punkte. Mit dem Einzug ins Endspiel bei den Dutch Open (Grand-Prix-Turnier) schien dann der Knoten geplatzt zu sein. Doch diesen Erfolg musste Schnaase mit einer Muskelverletzung teuer bezahlten. Auf einen Start beim Heimturnier Bitburger Open musste Deutschlands Nummer 1 sogar komplett verzichten. Erst gegen Ende des Jahres kämpfte sich Schnaase zurück zur Topform. Die Ausbeute der letzten Wochen in 2015 liest sich gut: Finalteilnahme in Wales und ein Turniersieg in der Türkei brachten wichtige Punkte auf dem Weg nach Rio. Aber auch Konon ließ nicht nach und gewann das Challenge-Turnier in Irland und erreichte in Italien das Endspiel. 

Das bisherige Highlight im Kampf um den Startplatz im Dameneinzel bei den Olympischen Spielen ereignete sich erst vor einigen Tagen. Im Finale des Swedish Masters kam es zum direkten Duell der beiden Kontrahentinnen. Nachdem Konon zu Beginn des Jahres im Bundesligaduell knapp die Nase vorn hatte, konnte Schnaase im schwedischen Uppsala den Spieß umdrehen und ihr gelang der psychologisch so wichtige Sieg in einem wahren Krimi über drei Sätze. „Der Sieg ist für mich sehr wichtig“, betonte Schnaase gegenüber der Westfälischen Nachrichten. Auf internationalen Turnieren waren die deutschen Vorzeige-Spielerinnen zuvor noch nie aufeinander getroffen. „Es war wie immer, wenn wir gegeneinander spielen. Es war wieder ein aufregendes Spiel, es war wieder ein Fifty-fifty-Spiel, es ging wieder über drei Sätze und es war wieder anstrengend.“, sagte die Lüdinghausenerin. Doch auch wenn Schnaase damit wieder ein bisschen mehr Luft zwischen sich und ihre Gegnerin gebracht hat, bedeutet es noch lange keine Vorentscheidung.

  

Das aktuelle Race to Rio:

Quelle: tournamentsoftware.com
Quelle: tournamentsoftware.com

 

Die knapp 3000 Punkte Rückstand von Konon sind sicher nicht mit einem Turnier und einer guten Wertung aufzuholen, allerdings hat die amtierende deutsche Meisterin im Qualifikationszeitrahmen erst zwölf Turniere gespielt von denen nur die zehn besten zählen. Neben drei Turniersiegen und zwei Finalteilnahmen finden sich hier auch noch viele schwächere Wertungen, also gute Chancen sich noch zu verbessern, vor allem da sie nun auch bei großen Turnieren ohne anstrengende Qualifikaton starten kann und oft durch Setzplätze schweren ersten Gegnerinnen entgeht. So kommen mit den German Open, Swiss Open und All England Open noch wichtige Turniere in Europa. Schnaase hat bereits 20 Turniere in der Wertung, und braucht daher schon Top Ergebnisse, um im Race to Rio noch wirklich zu klettern. Genug Chancen gibt es aber auch für sie noch. Dem Traum von Olympia ordnet die 30-jährige alles unter. So hat sie ihren Start bei den deutschen Meisterschaften in Bielefeld in dieser Woche abgesagt und fliegt währenddessen nach Thailand um jede mögliche Chance auf Weltranglisten-Punkte zu nutzen. Konon wird dagegen aller Voraussicht nach mit besten Titelchancen bei der DM aufschlagen. Weltranglistenpunkte gibt es in Bielefeld aber nicht.

Neben der erfolgreichen Qualifikation von einer der beiden Damen gibt es noch einen weiteren möglichen Ausgang, den sich aber sicher kein deutscher Badmintonfan wünschen würde: Keine der beiden Spielerinnen schafft die Qualifikation. Da der DOSB nur absolute Topathleten zu den Spielen schicken möchte, gibt es häufig noch nationale Kriterien, so auch im Badminton. In den Einzeldisziplinen sieht diese Regelung vor, dass die Spieler unter den Top 20 der bereinigten Weltrangliste liegen, Die aktuelle Nummer 20 dieses Rankings ist derzeit auf Platz 34 im Race to Rio zu finden, also genau zwischen Schnaase und Konon. Daher ist also noch lange kein Startplatz für Deutschland garantiert, auch wenn Deutschlands Badmintonfans optimistisch in die Zukunft schauen und sich weiter auf einen spannenden Zweikampf der beiden besten deutschen Einzelspielerinnen freuen können.  

 

Die Rangliste des aktuellen Race to Rio im Dameneinzel gibt es hier.

 

Red

 

 

 

 

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