5x11 statt 3x21 – Diskussion um Zählweise spaltet die Badminton-Welt

Keine Seltenheit mehr: Spiele über 90 Minuten
Keine Seltenheit mehr: Spiele über 90 Minuten

Zehn Jahre ist es her, seit das Punktesystem im Badminton von zwei Gewinnsätzen bis 15 zur jetzigen Rallypoint-Zählweise bis 21 geändert wurde. Vor dieser neuen Regelung musste sich ein Spieler erst das Aufschlagrecht erarbeiten, ehe ein Punkt erzielt werden konnte. Damals gab es viele Diskussionen über diese Reform, aber der Badminton Weltverband (BWF) setzte die Änderung durch. Seit knapp zwei Jahren wird nun wieder eine neue Regelung in Erwägung gezogen.

Zu lange Matches, zu wenig Überraschungen und kaum spannende Höhepunkte im Spiel. Diese Schwachstellen werden vom BWF an der aktuellen 3x21-Zählweise ausgemacht. Die Alternative: drei Gewinnsätze bis 11. Durch die kürzeren Sätze erhofft man sich in jedem Durchgang Spannung von Beginn an. Beim Stand vom 10:10 bietet der Weltverband den Turnierausrichtern zwei Optionen. Entweder es geht wie bisher in die Verlängerung, bis eine Partei mit zwei Punkten Vorsprung gewinnt (maximal jedoch bis 15:14) oder es wird beim Stand von 10:10 ein kurzer Satz bis drei Punkte gespielt. Das Ergebnis des Satzes würde dann mit 11:10 (3:2), 11:10 (3:1) oder 11:10 (3:0) eingetragen. Die Spiele sollen kürzer und rasanter werden um somit für die Zuschauer attraktiver zu sein. Davon erhofft sich der Weltverband auch eine bessere Vermarktung der Sportart.

 

Um sich ein genaues Bild von möglichen Auswirkungen der 5x11-Zählweise zu machen, hatte der BWF schon 2014 eine dreimonatige Testphase durchgeführt. In dieser wurde das neue System, damals jedoch noch ohne Verlängerung, auf mehreren Turnieren der unteren Kategorien ausprobiert. Ein Ziel der Umstellung schien sich dabei zu erfüllen. Im Schnitt dauerten die Spiele mit der neuen Zählweise gerade mal 30 Minuten. Dabei gingen zum Beispiel bei den YONEX Dutch Open 2014 knapp 44 Prozent der Spiele in drei Sätzen über die Bühne. 36 Prozent der Begegnungen wurden in vier Sätzen entschieden und nur 26 Prozent gingen in den entscheidenden fünften Satz. Der Weltverband konnte sich jedoch nicht dazu durchringen, die Zählweise noch vor der Qualifikationsphase für die Olympischen Spiele in Rio zu kippen. Nun ist eine nächste Testphase von September 2016 bis Dezember 2017 geplant. Aber auch diesmal soll die 5x11-Zählweise nur in den unteren Turnierkategorien getestet werden. Grand Prix Gold, Super Series und Super Series Premier bleiben weiterhin bei der gewohnten 3x21-Form.

 

An der aktuellen Punkteregelung wird bemängelt, dass die Spiele erst in der zweiten Hälfte des Satzes interessant werden und die Überraschungssiege der Außenseiter ausbleiben. Diese Probleme sieht Nationalspieler Josche Zurwonne mit der neuen 5x11-Zählweise gut gelöst. Der Doppelspezialist hat in der ersten Testphase 2014 mehrere Turniere mit der 5x11-Zählweise gespielt und Gefallen daran gefunden: „Das Spiel nimmt schneller Fahrt auf. Gerade als `Underdog` sind die ersten Punkte eine große Chance. Besonders, wenn der vermeintliche Favorit noch nicht richtig im Spiel ist. Auf Dauer werden sich die Top-Spieler weiterhin durchsetzen, aber man kann als Außenseiter schneller einen Satz gewinnen. Und da werden dann natürlich die Besseren auch von Anfang an gefordert“, erklärt der ehemalige deutsche Meister im Herrendoppel. Auch Michael Fuchs ist grundsätzlich nicht abgeneigt von den Planungen des BWF: „Ich habe selbst noch keine Wettkämpfe mit der neuen Zählweise gespielt, aber ich denke nicht, dass es einen großen Unterschied für uns im Doppel macht. Gut finde ich, dass es in der zweiten Testphase bei 10:10 eine Verlängerung gibt. Generell bin ich aber der Meinung, dass es nicht sinnvoll ist, wenn man die Zählweise ständig ändert“, erklärt Deutschlands bester Mixedspieler.

 

Das Thema ist aber nicht nur für die Weltspitze interessant. Auch in den unteren Spielklassen und im Hobbybereich wird heiß diskutiert. Hier vermuten viele Spieler, dass sich der Aufwand von Anreise und Vorbereitung im Vergleich zur kürzeren Spielzeit nicht mehr lohne. Dafür hat Michael Fuchs durchaus Verständnis. „Da muss man überlegen, ob es Sinn macht, das neue System in allen Ligen anzuwenden. In der Bundesliga besteht ein Mannschaftsspiel beispielsweise auch aus weniger Matches als in den unteren Ligen. So könnte man auch das 5x11 nur in der ersten und zweiten Bundesliga einführen und in den unteren Klassen die bisherige Regelung beibehalten“, schlägt Fuchs vor.

 

Für alle Badmintonbegeisterten bleibt abzuwarten, wie der BWF die Ergebnisse der kommenden Probezeit bewerten wird. Fest steht, dass die Diskussionen über die Zählweise den Badmintonsport wohl noch einige Zeit begleiten werden.

 

 

 

Thomas Fuchs

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Hans Werner Niesner (Mittwoch, 28 September 2016 13:18)

    Wir haben am Sonntag, am 1. Spieltag der 2. Bundesliga-Nord dieses neue Zählsystem erstmals gespielt. Die meisten Zuschauer fanden das sehr gut, weil:
    - viel mehr Spannung in jedem Satz war
    - die Spielzeit sich in unserem Fall (BV Gifhorn : EBT Berlin 5:2) auf 2
    Stunden bei 7 Spielen verkürzt hat
    Unsere Spieler kamen gut klar damit!
    Ich persönlich finde dieses System auch besser; und zwar aus oben genannten Gründen und als Trainer, weil Spieler lernen, in kürzeren Zeiträumen die Konzentration höher zu halten ... damit wird die Spielqualität erhöht.
    Und das Gejammere von einigen kann ich nicht mehr hören, denn Volleyball und Tischtennis haben damals nach ca. 1 Jahr viel drastischere Zählweisen- und Regeländerungen verarbeitet. Wir testen und DISKUTIEREN sei mehr als 13 Jahren und haben mit dem Umstieg von 2006 genau die Vorgaben des IOC nicht erfüllen können - also ein ganz fauler Kompromiß war die Satzlänge bis 21 mit einer Verlängerungsmöglichkeit bis 30!
    Nochmal: das IOC setzt unseren Weltverband unter Druck; da den Rauswurf aus dem Olympia-Programm zu riskieren wäre Selbstmord!

  • #2

    jhtgf77 (Donnerstag, 08 März 2018 10:07)

    vfghbsplfjndnvegbl.r4