"Spieler sind nur Marionetten": Die alarmierend große Macht der Verbände

Es war der große Aufreger, der die Badmintonwelt vor Kurzem erschütterte: Japans Olympiahoffnung Kento Momota verzockt seine Chance auf eine mögliche Olympiamedaille, nachdem er bei illegalem Glücksspiel überführt wurde. Doch der japanische Verband verweigert dem eigenen Star nicht nur den Start in Rio, die Entscheidung den Spieler komplett zu sperren ist noch sehr viel tiefgreifender, in dieser Form ein absolutes Novum und demonstriert die große Macht der Verbände.

Kurz nach dem Skandal war der Japaner in zahlreichen nationalen Zeitungen das große Thema, doch in der Weltrangliste suchte man ihn vergebens. Durch die Sperre, die der japanische Verband umgehend gegen den 22 jährigen Shootingstar verhängte, folgte auch die Löschung aus dem BWF World Ranking. So etwas gab es noch bei keinem vorherigen Fall im Badminton, selbst Dopingsünder wurden nicht aus der Weltrangliste gestrichen.

Wie geht es weiter für Kento Momota? (Bild: Bernd-Volker Brahms)
Wie geht es weiter für Kento Momota? (Bild: Bernd-Volker Brahms)

Über das Fehlverhalten und nötige Konsequenzen für den Japaner gibt es wohl kaum eine zweite Meinung, doch ist die Strafe wirklich angemessen? Man könnte auch sagen, dass er schlichtweg eine Straftat begangen hat, für die er sich vor Gericht verantworten muss. Durch eine komplette Sperre von Seiten des Verbandes wird Momota nun aber jegliche Chance genommen, in nächster Zeit aktiv Badminton zu spielen. Logische Konsequenz ist natürlich auch der Verlust sämtlicher Sponsorenverträge und Einnahmequellen und das auf nicht absehbare Zeit. Man könnte sagen, der Verband hat die Zukunft von Momota in der Hand.

 

Zudem sind Spieler bei der Meldung für Turniere stets auf ihren Verband angewiesen. Ein bezeichnendes Beispiel für diese Problematik ist der Fall von Matthias Boe und Cai Yun. Beide wollten nach den Ausfällen ihrer Partner gemeinsam Turniere bestreiten, doch der chinesische Verband schob der Kombination einen Riegel vor. Selbst Cai Yun, Olympiasieger und mehrfacher Weltmeister, wusste nichts von der Entscheidung und erfuhr erst bei der Veröffentlichung der Startliste davon.

 

Jim Laugesen, ehemaliger dänischer Badmintonprofi, bedauerten jüngst in einem Artikel, dass die Spieler aktuell nur Marionetten der Verbände seien. "Es ist beschämend! Man soll sich mit den Sportlern identifizieren und nicht mit den Verbänden. Im Tennis ist es auch das Spiel Nadal gegen Federer und nicht Spanien gegen die Schweiz." Für den Badmintonsport wäre ein gemeinsamer Start von Cai und Boe, auf den sich Fans auf der ganzen Welt bereits fieberhaft gefreut hatten, ein großes Zeichen gewesen. Auch für die Spieler selbst wäre es sportlich als auch finanziell eine tolle Chance gewesen, doch der chinesische Verband ließ den Traum zerplatzen.

 

Auch Marc Zwiebler sieht die Machtposition der Verbände und der BWF sehr kritisch. "Vor zwei Wochen beim BWF Players Meeting in China ging es lange um die Thematik, aber vor allem die asiatischen Verbände halten sich hier sehr zurück, wenn es um Veränderung geht", erzählt uns der Bischmisheimer, der selbst an dem Meeting teilnahm. "Ich finde es vor allem ein Unding, dass die Spieler nicht selbst melden dürfen und das raubt ihnen meiner Meinung nach jegliche Freiheit, ihren Beruf so auszuüben wie sie es wollen."

 

"Es kam und kommt leider immer wieder vor, dass Verbandsinteressen vor Spielerinteressen gestellt werden. So wurden beispielsweise auch in der diesjährigen Olympiaqualifikation Nichtverbandsspieler sehr häufig vergessen zu melden,. Bei Kaderspielern ist das fast nie passiert", so Zwiebler weiter. "Damit sich etwas ändert, müssten sich die populärsten Spieler zu der Problematik äußern, doch die hätten vermutlich auch die größten Konsequenzen zu befürchten, falls sie sich gegen den eigenen Verband stellen."

 

Red

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