Carolina Marin - Eine Spielerin, die polarisiert!

Bild: Claudia Pauli
Bild: Claudia Pauli

Carolina Marin ist eine Sportlerin, die durch ihr Verhalten auf dem Badmintoncourt schon einige Male bei Fans ihrer Sportart angeeckt ist. Auch heute im Moment ihres wohl größten Triumphes musste die Spanierin in den sozialen Netzwerken wieder einiges an Kritik einstecken, nachdem sie sich trotz einer offensichtlichen Verletzung ihrer Gegnerin Li Xuerui in der Endphase des zweiten Satzes in gewohnter Manier lautstark anfeuerte. „Unsportlich“  oder „selten so etwas peinliches gesehen“ lauteten einige  der Kommentare zum Auftreten der jungen Spanierin. Da waren sie wieder, die strengen Stimmen ihrer Kritiker. Einige Nutzer sprangen der zweimaligen Weltmeisterin jedoch zur Seite.  Doch was genau war passiert?

Nach souverän gewonnenem ersten Satz, verlief der zweite Durchgang deutlich knapper. Beim Stand von 17:16 für die Doppelweltmeisterin, kam Gegnerin Li Xuerui bei einem Umsprung unglücklich auf und musste sich daraufhin behandeln lassen. Anschließend spielte sie die nächsten Punkte mit einer Art Überstrumpf über dem linken Knie. Doch auch dieser schien ihre Schmerzen nicht wesentlich zu mildern, denn ab diesem Zeitpunkt konnte sich die Chinesin kaum mehr bewegen. Marin feuerte sich jedoch nach jedem, der nun folgenden Punktgewinne lautstark an. Auch zwischen den Ballwechseln waren ihre bekannten Anfeuerungsrufe im Riocentro Pavillion 4 zu vernehmen, obwohl die Gegenwehr ihrer Gegnerin nicht mehr vorhanden war. Marin wollte unbedingt ihre Konzentration und ihren Fokus beibehalten. Li Xuerui ließ einige Bälle außerhalb ihrer Reichweite einfach fallen. Zu groß schienen ihre Schmerzen zu sein. Insgesamt drei Ballwechsel lief das Match in dieser Form noch weiter, dann war die Partie beendet. Marin hatte mit 21:14 und 21:16 die Titelverteidigerin von London geschlagen und zeigte sich sichtlich erfreut über ihren Einzug ins olympische Finale. Ein Verhalten das viele Fans als unsportlich empfanden. Es ist nicht das erste Mal, dass es Diskussionen um Marins Verhalten auf dem Badmintonfeld geht. Ihre rote Karte im Finale der German Open 2015 ist allen Fans in guter Erinnerung geblieben. 

Kein Zweifel besteht jedoch daran, dass mit Marin die am heutigen Tage bessere Spielerin ins Endspiel eingezogen ist. Doch hätte die Doppelweltmeisterin nach dem Spielende ihrer Gegnerin mehr Respekt zollen sollen? Wo fängt Fair-Play an, wo hört es auf? Fragen, die die Badmintonwelt zu spalten scheinen und auf die jeder Zuschauer seine persönlichen Antworten finden muss. Fakt ist, dass die sportliche Leistung der Spanierin in diesen Tagen ohne jeden Zweifel in der Weltklasse einzuordnen ist. In einem so wichtigen Spiel wie einem olympischen Halbfinale scheint es für einen Sportler außerdem verständlich, an seinen Routinen in vermeintlichen Stresssituationen festzuhalten. Auch greifen andere Spielerinnen gerne mal zu Maßnahmen, die ihre Gegnerin aus dem Konzept bringen sollen. 

Wie geht Marin selbst mit dieser Kritik um? Es ist davon auszugehen, dass sich die 23-jährige nicht viel mit dem Thema beschäftigt. Zu groß erscheint ihr Ehrgeiz und auch morgen im Finale wird sie wie gewohnt auftreten. Gegnerin Pursala V. Sindhu wird darauf eingestellt sein. Der Traum ist olympisches Gold und nicht das Ziel, die beliebteste Badmintonspielerin der Welt zu sein. Ein Fakt, den auch die schärfsten Kritiker der zurzeit besten Badmintonspielerin der Welt respektieren müssen. 

 

Red

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