Trotz Olympiasieg nur die Nummer zwei!

Bild: Bernd Bauer
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Zweifacher Weltmeister, 19-facher Superseriessieger und jetzt auch Olympiasieger: Chen Long hat nach seinem großen Triumph in Rio schon fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt und hat mit 27 vermutlich noch weitere Jahre mit großen Erfolgen vor sich. Während der Spiele stand er dennoch bis zu seinem Finalerfolg fast ständig im Schatten von Lee Chong Wei und seinem großen chinesischen Landsmann Lin Dan, doch warum eigentlich?

Er war die große konstante im Herreneinzel in den vergangenen Jahren, gewann die beiden letzten Weltmeisterschaften, zwei der letzten vier All England Championships und nun auch den größten Titel den es im Badmintonsport gibt. Theoretisch fehlen ihm also noch drei WM Erfolge und ein Olympiasieg, um mit Lin Dan in Sachen "großen Titeln" gleich zu ziehen, keinesfalls unmöglich bedenkt man, dass er noch sechs Jahre jünger ist, als der große Superstar und bislang kaum mit Verletzungen zu kämpfen hatte. Dennoch wagt keiner einen Vergleich zwischen den zwei Ausnahmespielern. Vor allem beim Empfang der chinesischen Olympiamannschaft, bei dem alle Fans lediglich an Lin Dan interessiert waren, wurde klar, wer der Superstar ist und das hat auch seine Gründe.

 

Bild: Bernd Bauer
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Auf der einen Seite hat Lin Dan sagenhafte vier Goldmedaillen bei den Asienmeisterschaften und zwei Einzeltitel bei den Prestigeträchtigen Asia Games,  die beide vom Starterfeld wohl noch stärker einzuschätzen sind, als Weltmeisterschaften und Olympische Spiele. Hier hat Chen Long noch nie gewinnen können. Außerdem ist der Weg zu fünf Weltmeisterschaften und einem Sieg in Tokio 2020 zwar nicht unmöglich aber sicher noch sehr weit.

 

Der Hauptgrund ist aber ein Anderer, den jeder kennt, der schon einmal den Moment erlebt hat, wenn Lin Dan eine Badmintonarena betritt. Ihn scheint eine Aura zu umgeben die jeden Zuschauer und Fan fesselt und jedes seiner Matches zu etwas ganz Besonderem werden lässt. Dazu kommt seine spektakuläre Spielweise und sein für einen chinesischen Sportler ungewöhnlich extrovertiertes Auftreten, das ihn aus der Menge stechen lässt wie keinen Zweiten.

 

Doch Lin Dan hat einen großen Teil seines Legendenstatus auch einem anderen Spieler zu verdanken. Sein Duell gegen Lee Chong Wei in der letzten Woche setzte vermutlich den Schlusspunkt unter eine historische Rivalität, die wohl kaum ein Drehbuchautor besser hätte schreiben können. Dieser große Widersacher fehlt Chen Long ebenfalls und auch das lässt "Superdan" dadurch wohl unerreichbar für ihn werden.

 

So wird den meisten Fans wohl auch von dieser Olympiade mehr das großartige Halbfinale mit dem spektakulären Ballwechsel bei 20:19 im Gedächtnis bleiben, als der folgende Olympiasieg des "zweiten" Chinesen. Sinnbildlich hierfür sicher auch der gestrige Empfang der Olympiamannschaft: Empfang der chinesischen Badmintonmannschaft

 

Red

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