Mehr Spannung oder zu viel des Guten? Stimmen zu den neuen Bundesligaregeln

Bild: Bernd Bauer
Bild: Bernd Bauer

Es war das Thema im Vorfeld der neuen Bundesligasaison. Mehr Spiele, kürzere Sätze und eine neue Punktevergabe wurden für die neue Spielzeit beschlossen und von allen Seiten heiß diskutiert. Am vergangenen Wochen gab es nun den ersten Praxiseinsatz beim Doppelspieltag zum Bundesligaauftakt und Zuschauer, Spieler und Funktionäre konnten sich ein erstes Bild machen, was in den kommenden Monaten auf sie zukommt. Michael Fuchs und viele Weitere gaben erste Stimmen zu den Neuerungen ab:

Michael Fuchs (Spieler BC Bischmisheim):

"Alles war irgendwie hektisch, jeder versuchte den schnellen Punkt nach dem Aufschlag zu machen. Dadurch resultierten auch viele schnelle Fehler, ohne dass lange Ballwechsel zu stande kamen. Ich glaube das Herrendoppel war nicht schön anzuschauen, resümierte er, aber es ist noch zu früh um irgendetwas verbindlich sagen zu können. Alle müssen sich erst mal an die neue Zählweise gewöhnen und das braucht seine Zeit bis man die Spielweise darauf angepasst hat. Das war damals als das System bis 21 zu zählen eingeführt wurde auch nicht anders. Der Aufschlagsituation kommt natürlich eine wesentlich entscheidendere Rolle zu, insofern wird sich die Spielweise schon etwas ändern. Die Nervenstärke beim Aufschlag wird entscheidender, ansonsten ändert sich ja nichts, wir schlagen ja nicht von oben auf. Ob es weitere Auswirkungen auf den Spielstil der Spieler haben wird hängt entscheidend davon ab, ob sich das neue System auf internationaler Ebene durchsetzen wird. Die BWF geht hier ja nur halbherzig vor und hat nur bei wenigen, eher unbedeutenden Turnieren die neue Zählweise angesetzt. Auch die Gesamtspielzeit war verglichen zu vorherigen Spieltagen keine andere. Ein 5-Satz Spiel bis 11 dauert so lange wie ein 3-Satz Spiel bis 21." (Interview: Bernd Bauer)

 

Josche Zurwonne (Spieler SC Union Lüdinghausen):

Die Umstellung auf 3 Gewinnsätze bis 11 empfinde ich als Fortschritt für unseren Sport! Mitreißende und für Zuschauer interessante Spiele werden aufgewertet und es gibt eine Vielzahl von spielentscheidenden Szenen. Die Zuschauer und Spieler werden sich an die neue Regelung gewöhnen müssen, aber langfristig bin ich fest davon überzeugt, dass sich diese Variante des Zählsystems durchsetzen wird.

Das zweite Herrendoppel in der 1. Bundesliga ist zurück. Weder Spieler noch Zuschauer haben sich ein solches siebtes Spiel gewünscht und wie die ersten beden Spieltage gezeigt haben, zieht dieses Match die Spieldauer in die Länge, ohne die Qualität zu steigern. Es sind überwiegend Einzelspezialisten und ausländische Spitzenspieler zum Zuge gekommen, ohne den deutschen Nachwuchsspielern eine Chance zu geben. DIese Regeländerung ist ein fataler Schritt in die falsche Richtung und sollte schnellstmöglich rückgängig gemacht werden.

Die Auswirkung der neuen Punktevergabe werden wir erst in ein paar Wochen oder sogar Monaten bewerten können. Die ersten Spieltage haben gezeigt, dass diese Regeländerung eine gewisse Spannung mit sich bringt, jedoch ist den Zuschauern eine große Verunsicherung anzumerken. Die Neuerungen haben sich noch nicht bei allen Badmintonfans herumgesprochen und desto tragischer ist es, dass am ersten Bundesligawochenende kein funktionierender Online-Ergebnisservice zur Verfügung stand. In diesem Bereich ist von Seiten der Offiziellen dringend nachzubessern, um unseren Sport in Zukunft professioneller vermarkten zu können.

Heinz Kelzenberg (Manager TV Refrath):

"Ich denke, dass die Zählweise bis 11 ein absoluter Gewinn ist, vor allem für die Zuschauer. Für die Spieler und Coaches bedeutet es natürlich mehr Stress. Gewundert habe ich mich über die Dauer der Spiele wenn es über fünf Sätze geht. Das hatte ich unterschätzt. Vor diesem Hintergrund ist das siebte Spiel in jedem Fall kritisch zu sehen, weil die durchschnittliche Dauer eines Bundesligaspiels bei knapp 2,5 Stunden liegen dürfte.

Die Extrapunkte für einen klaren Sieg oder eine knappe Niederlage sehe ich noch wertfrei an, da man die Sinnhaftigkeit erst nach einer halben Saison beurteilen kann, wenn man eine aussagekräftige Tabelle hat. Zusammenfassend ist mein Eindruck über den Start gut, auch wenn es nervig war, dass man die Detailergebnisse auf Turniere.de vermisst hat."

 

Steffen Hohenberg (Manager BV Mülheim):

"Ich finde das neue System für die Zuschauer attraktiver. Man hat ständig Crunchtime auf einem der Felder. Ich finde es dadurch spannender mit weniger Längen. Für die Spieler ist es natürlich eine große Umstellung, vor allem auf mentaler Ebene."

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