Der Unvollendete: Lee Yong Dae beendet seine Karriere mit den Korea Open

Bild: Bernd Bauer
Bild: Bernd Bauer

Es ist das letzte Turnier eines ganz großen Spielers. Koreas Doppelstar Lee Yong Dae hat bestätigt, dass er seine Karriere nach den Korea Open beenden wird. Zusammen mit seinem Partner Yoo Yeon Seong möchte er sich gerne mit einem großen Sieg vor heimischem Publikum verabschieden und kann mit 28 Jahren auf eine lange und sehr erfolgreiche Karriere zurückblicken. Spielerisch gilt er unbestritten als einer der besten Doppelspieler aller Zeiten, doch ist er auch einer der Erfolgreichsten?

2008 gelingt Lee Yong Dae im zarten Alter von 19 Jahren direkt der ganz große Coup. An der Seite von Lee Hyo-Jung sichert er sich als jüngster Spieler aller Zeiten Olympiagold im Mixed. Es folgen insgesamt 42 Superseriestitel, im Doppel ist er mit 36 Titeln mit Abstand der erfolgreichste in dieser Kategorie und dominiert die Weltspitze seit Jahren. Eine Bilderbuchkarriere könnte man meinen, doch seine Erfolgsvita hat auch einige überraschend große weiße Stellen.


Genau in seiner Paradedisziplin dem Doppel blieb ihm der ganz große Wurf immer verwehrt. In Peking 2008 unterlag er bereits in Runde eins und in London 2012 reichte es für ihn und den damaligen Partner Jung Jae Sung überraschend nur zu Bronze. In Rio ging er mit Yoo, als großer Favorit gestartet, gar komplett leer aus, nachdem beide die Weltrangliste für über zwei Jahre ununterbrochen anführten und aktuell immernoch mit großem Abstand an der Spitze stehen.

Man könnte denken, dass ein so früher Olympiasieg zumindest einen gewissen Druck von den Schultern eines Athleten nehmen müsste, doch Lee, der in seinem Land regelrecht verehrt wird, spürte die Erwartungen seiner Badmintonnation bei jedem Großevent. Das bestätigte er auch in einem Interview mit der BWF diese Woche: "I feel most regretful about the last Olympics in Rio. I was way too tense and felt too much pressure from the public. Without that, I could probably have done a lot better", so Lee auf die Frage, ob er irgendetwas in seiner Karriere bereue.

 

Dieser Druck war ihm bei großen Turnieren auch stets anzumerken. So blieb ihm ein Weltmeistertitel und auch ein Sieg bei den prestigeträchtigen Asia Games immer verwehrt! Kaum zu glauben bei einem Spieler seines Formats. "I feel it would’ve been nice if I’d won the World Championships (2009) in India; that final was very close. Maybe my career would’ve been better if I’d won the World Championships", erzählte der Koreaner weiter.

 

Auch wenn sein Rücktritt aus der Nationalmannschaft und von internationalen Wettkämpfen wohl endgültig ist, will er dennoch weiterhin nationale Wettkämpfe und Ligamatches bestreiten. Ein Comeback für Tokio 2020 kann er sich nach eigener Aussage derzeit nicht vorstellen, doch die Enttäuschung von Rio sitzt mit Sicherheit auch noch sehr tief und man sollte abwarten, was die Zeit bringt.

 

Aktuell geht es für ihn aber darum, in Seoul einen erfolgreichen Schlusspunkt unter seine Karriere zu setzen und seiner Liste an Erfolgen einen weiteren großen, wenn auch nicht ganz großen Titel hinzuzufügen. Nach zwei Siegen stehen Yoo Yeon Song und er bereits im Halbfinale, noch zwei Schritte vom 43. Superseriessieg entfernt. Vor ihm würde dann mit Lee Chong Wei (44 Titel) nur noch ein Spieler liegen, der sich aber mindestens genau so gut mit dem "Fluch" bei Großevents auskennt.

 

Red

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