Doppelerfolg zum Jahresabschluss: Josche Zurwonne im Exklusivinterview

Bild: Bernd Bauer
Bild: Bernd Bauer

Josche Zurwonne setzte mit zwei Turniersiegen zum Jahresabschluss ein dickes Ausrufezeichen und geht gemeinsam mit seinem indonesischen Partner Jones Jansen als höchstplatzierter deutscher Doppelspieler in das kommende Jahr 2017. Wir sprachen mit ihm über seine besondere Partnerschaft, Zukunftspläne und die kommende Umstrukturierung im deutschen Badminton.

Smashing-News:   Hallo Josche, ich glaube zu sagen, die letzten Wochen liefen gut wäre deutlich untertrieben. Mit ganz starken Vorstellungen haben Jones und du die Titel in Irland und Italien geholt und absolute Topform gezeigt. Seid ihr fast ein bisschen traurig, dass mit Weihnachten jetzt eine kleine Pause kommt und ihr nicht direkt auf das nächste Turnier könnt?

 

Josche: Die letzten 2 Wochen waren vermutlich das sportliche Highlight des Jahres 2016 für Jones und mich. Zwischen dem Titelgewinn in Irland und dem Beginn des Turniers in Italien lagen nur drei Tage um uns zu erholen, deswegen freuen wir uns auf die kurze Weihnachtspause, bevor die Vorbereitung auf die Saison 2017 beginnt. Wir haben viele Punkte für die Weltrangliste sammeln können und eine Menge Selbstvertrauen getankt, sodass wir auch im kommenden Jahr an die gezeigten Leistungen anknüpfen wollen.

 

Smashing-News: Vor etwa zwei Jahren warst du noch an der Seite von Max Schwenger auf dem Feld. 2015 kam dann sogar der DM Titel, aber dann leider auch die schwere Verletzung und das Karriereende von Max. Was ist seitdem bei dir passiert?

 

Josche: Die Verletzung von Max hatte auch auf meine sportliche Entwicklung einen großen Einfluss. Kurzerhand musste ich die geplante Olympia-Qualifikation mit Turnieren auf der ganzen Welt absagen und mir neue sportliche Herausforderungen suchen. Ich habe die Zeit genutzt um mein Lehramtsstudium voranzutreiben und mich sportlich sowie badmintontechnisch weiterzuentwickeln. Mittlerweile bilden Jones und ich eine feste Doppelpaarung und ich bin froh wieder im Turnieralltag angekommen zu sein. Max drücke ich weiterhin die Daumen, dass die Verletzung der Hüfte vollständig ausheilt und wir ihn eines Tages wieder auf dem Badmintoncourt sehen werden.

Erfolgreiche Partnerschaf: Josche Zurwonne mit Jones Jansen (Bild: Bernd Bauer)
Erfolgreiche Partnerschaf: Josche Zurwonne mit Jones Jansen (Bild: Bernd Bauer)

Smashing-News: Jones ist ja kein Deutscher sondern erst vor einigen Jahren aus Indonesien nach Deutschland gezogen. Wie kam es zu eurer Partnerschaft?

 

Josche: Jones kam aufgrund seines Studiums nach Deutschland und hat gelegentlich bei uns am Olympiastützpunkt in Saarbrücken mittrainiert. Aufgrund der Verletzung von Max haben wir uns spontan entschieden an vereinzelten Wettkämpfen teilzunehmen und wir haben schnell gemerkt, dass unsere Ideen vom Badminton und speziell vom Herrendoppel, sehr gut harmonieren. Ich bin froh, in Jones einen spielstarken neuen Doppelpartner gefunden zu haben, der fleißig trainiert und jeden Tag versucht sich zu verbessern.

 

Smashing-News: Im Blick auf Deutsche Meisterschaften und vor allem Olympia sind internationale Partnerschaften ja ein großes Problem und ein Start ist hier nicht erlaubt. Wie sieht hier die Zukunftsplanung aus?

 

Josche: Ja das ist richtig. Bei Weltmeisterschaften ist es zumindest kein Problem. Wir haben uns innerhalb von nur einem Jahr unter die Top 8 Herrendoppel in Europa gespielt und wollen unser Können dort auf jeden Fall schon einmal unter Beweis stellen. Aber Jones lebt nun schon seit etwa 6 Jahren hier, ist sehr glücklich und ich glaube es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis wir gemeinsam für Deutschland spielen können.

 

Smashing-News: Ist Olympia für euch dann das große Ziel?

 

Josche: Olympische Spiele sind für jeden Sportler ein Highlight der sportlichen Karriere, jedoch habe ich durch die Verletzung von Max gelernt, dass viele Sachen nicht erzwungen werden können. Ich versuche in jedem Spiel meine Bestleistung abzurufen und glaube vor und während jedem Badminton-Match an meine Siegeschancen. Ich hoffe auch in Zukunft von größeren Verletzungen verschont zu bleiben und wenn ich es schaffe an die gezeigten Leistungen anzuknüpfen und die eingeschlagene Entwicklung weiter so positiv verläuft, dann rücken auch Olympischen Spiele in greifbare Nähe.

 

Smashing-News: Mit Johannes Schöttler und Michael Fuchs ist das deutsche Topdoppel nun ja nicht mehr aktiv. Mit Raphael Beck und Peter Käsbauer sowie Marc Lamsfuß und Marvin Seidel gibt es aber noch zwei weitere aufstrebende Paarungen. Wo siehst du euch hier aktuell?

 

Josche: Die Herrendoppelgruppe am Bundesstützpunkt in Saarbrücken ist aktuell sehr ausgeglichen. Aktuell sind Jones und ich die am besten platzierte Paarung in der Weltrangliste, was uns natürlich besonders motiviert. Es ist festzuhalten, dass die guten Ergebnisse aller deutschen Doppel in der letzten Zeit auch ein Resultat der starken Trainingsgruppe sind, in der wir uns gegenseitig zu Höchstleistungen pushen.

 

Smashing-News: Beim letzten Bundesligaspiel warst du auch im Mixed aktiv. Sehen wir dich hier vielleicht auch international mal wieder?

 

Josche: Ich habe mich in den vergangenen Jahren verstärkt auf das Herrendoppel konzentriert, was jedoch nicht bedeutet, dass ich in Zukunft nicht auch im Mixed wieder angreifen werde. In den vergangenen Jahren habe ich es geschafft, mich technisch und taktisch zu verbessern, wodurch auch ein Einsatz im Mixed denkbar ist. Mit Blick auf die Zukunft möchte ich mich jedoch an Spekulationen nicht beteiligen, vielmehr konzentriere ich mich darauf, auch weiterhin die bestmögliche Leistung zu bringen, egal ob im Mixed- oder Herrendoppel.

 

Smashing-News: Im laufenden Jahr steht für viele Nationalspieler ein großer Umbruch an. Durch die Verlegung der Stützpunkte müssen alle Doppel- und Mixedspieler nach Saarbürcken, die Einzelspieler nach Mülheim. Was sagst du zu der kommenden Umstrukturierung?

 

Josche: Die Umstrukturierung der Stützpunkte soll und wird vor allem das Dameneinzel, Damendoppel und Mixed stärken. Das tägliche Training der Frauen mit den Männern mag einen Aufschwung in den oben genannten Trainingsgruppen mit sich bringen. In wie weit die Herreneinzel- und Herrendoppelgruppen von dieser Neuerung profitieren, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Ich freue mich auf die neue Herausforderung und hoffe, dass auch das kommende Jahr ähnlich erfolgreich wie das Jahr 2016 verläuft.

 

Red

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