Rekordchampion entthront

Bild: Bernd Bauer
Bild: Bernd Bauer

Herreneinzel: Fabian Roth bezwingt Marc Zwiebler
„Ich bin einfach nur überglücklich und ein bisschen sprachlos. Ich habe an meine Chance geglaubt, aber dass ich es jetzt wirklich gepackt habe, werde ich wohl erst in ein paar Tagen realisieren.“ Bei den 65. Deutschen Einzelmeisterschaften in Bielefeld (2. bis 5. Februar 2017) entthronte Fabian Roth (TV Refrath; Setzplatz 2) den Deutschen Rekordchampion Marc Zwiebler (1. BC Saarbrücken-Bischmisheim; Setzplatz 1) und kürte sich erstmals im Erwachsenenbereich zum Deutschen Meister im Herreneinzel. Nach einer Spielzeit von exakt einer Stunde durfte der U19-Europameister von 2013 einen 17:21, 21:19, 21:17-Finalsieg über den topgesetzten dreimaligen Olympiateilnehmer bejubeln. „Wir trainieren jeden Tag zusammen. Meine Aufgabe ist es, ihm meine Erfahrungen mitzugeben. Er hat super gespielt, ich hingegen bin logischerweise nicht so zufrieden mit meinem Spiel“, zog der neunmalige Deutsche Meister Marc Zwiebler ein Fazit. „Wir kennen uns in und auswendig aus dem Training. Ich habe mega Respekt vor Marc und seiner ganzen Karriere“, sagte Fabian Roth nach dem gewonnenen DM-Finale.

Mixed: DM-Titel für Raphael Beck und Carla Nelte
Am Finaltag hatte es gleich das erste Match „in sich“: Während 62 Minuten lieferten sich die topgesetzten Titelverteidiger Mark Lamsfuß und Isabel Herttrich (1. BC Wipperfeld/1. BC Saarbrücken-Bischmisheim) ein enges Mixed mit Raphael Beck und Carla Nelte (1. BC Beuel/TV Refrath; Setzplatz 3/4), in dem sich letztlich die Herausforderer mit 25:23, 18:21, 21:14 durchsetzten. Beide holten damit zum ersten Mal in der Altersklasse O19 einen DM-Titel in dieser Disziplin. „Für Raphael war es sogar das erste Mixedfinale. Er hat es bravourös gemeistert. Ein Lob an Raphael“, meinte Carla Nelte nach dem Endspiel. Raphael Beck ergänzte: „Wir hatten keinen Druck, konnten frei aufspielen. Wir haben gesagt, wir zerreißen uns – und ich glaube, das haben wir getan.“


Dameneinzel: Erster Turniererfolg für Luise Heim
Im Dameneinzel avancierte die erst 20 Jahre alte Luise Heim (1. BC Beuel; Setzplatz 3/4) erstmals im Erwachsenenbereich zur Deutschen Meisterin. Die Teilnehmerin an den Olympischen Jugendspielen 2014 gewann das Finale gegen Fabienne Deprez (BV Gifhorn; Setzplatz 2) mit 21:16, 21:11. „Ich habe gestern schon gesagt, dass ich überglücklich bin. Jetzt kann ich es nicht mehr beschreiben. Ich habe mich belohnt für die letzten Jahre, in denen ich so hart gearbeitet habe“, sagte die Vorjahreszweite im Siegerinterview. Schon 2016 hatte Luise Heim in Bielefeld gegenüber Fabienne Deprez die Oberhand behalten. Damals trafen die Nachwuchshoffnung und die Deutsche Meisterin von 2013 im Halbfinale aufeinander. „Fabienne ist eine unglaublich talentierte Sportlerin, ich habe großen Respekt vor ihrer Leistung. Wir spielen im Training viel gegeneinander und ich bin froh, dass ich es geschafft habe“, so Luise Heim nach dem diesjährigen Endspiel.


Herrendoppel: Verletzung führt zu Spielabbruch
Das Herrendoppel zwischen den Titelverteidigern Raphael Beck und Peter Käsbauer (1. BC Beuel/1. BC Saarbrücken-Bischmisheim; Setzplatz 2) und dem topgesetzten Nachwuchsduo Mark Lamsfuß/Marvin Seidel (1. BC Wipperfeld/1. BC Saarbrücken-Bischmisheim) wurde überschattet von einer schweren Verletzung, die Marvin Seidel beim Stand von 19:19 im dritten Satz am Fuß erlitt. Der 21-Jährige wurde umgehend in ein Krankenhaus gebracht und das Match mit 21:18, 15:21, 19:19 zugunsten von Raphael Beck und Peter Käsbauer gewertet. Der 24 Jahre alte Raphael Beck holte damit seinen zweiten DM-Titel 2017, nachdem er einige Stunden zuvor schon im Mixed das Endspiel gewonnen hatte. Mark Lamsfuß und Marvin Seidel waren auch im Jahr zuvor Deutsche Vizemeister geworden.


Damendoppel: Dritter DM-Sieg in Folge für Carla Nelte
Im Damendoppel verbuchten Isabel Herttrich und Carla Nelte (1. BC Saarbrücken-Bischmisheim/TV Refrath; Setzplatz 1) ihren ersten gemeinsamen DM-Titelgewinn im Aktivenbereich. Die 24 und 26 Jahre alten Badmintonasse, die sich im Mixedfinale gegenüberstanden, setzten sich im Endspiel mit 21:18, 21:19 gegen Linda Efler und Eva Janssens (TV Emsdetten/1. BC Beuel; Setzplatz 3/4) durch. 2013 und 2014 waren Isabel Herttrich und Carla Nelte in Bielefeld zusammen Zweite geworden, 2015 und 2016 gewann Carla Nelte jeweils mit Johanna Goliszewski (1. BV Mülheim) das Turnier. „Für mich ist es heute natürlich optimal gelaufen. Ich freue mich riesig, dass ich mit Isabel zusammen den Titel gewonnen habe“, sagte Carla Nelte, die in diesem Jahr entsprechend – wie Raphael Beck – zweifach in Bielefeld triumphierte. „Die Mädels haben es echt gut gemacht, uns sehr gut herausgefordert. Wir mussten ordentlich kämpfen und auch ruhig bleiben, aber das haben wir ganz gut geschafft“, so die Olympiateilnehmerin von Rio weiter. Während Linda Efler schon im Vorjahr – an der Seite von Lara Käpplein (1. BV Mülheim) – Platz zwei belegte, stand Eva Janssens 2017 erstmals bei den Deutschen Einzelmeisterschaften in einem Finale.


„Markus-Keck-Gedächtnispokal“ an Alexander Roovers
Traditionell erfolgt im Rahmen der Deutschen Meisterschaften O19 die Verleihung des „Markus-Keck-Gedächtnispokals“. Diese Trophäe wurde im Jahr 1997 von der Familie des viel zu früh verstorbenen, 20-maligen deutschen Nationalspielers Markus Keck gestiftet. Mit dem Pokal ehren die Verantwortlichen im Deutschen Badminton-Verband (DBV) stets einen hervorragenden Athleten, der nicht allein in sportlicher Hinsicht überzeugt, sondern auch in Bezug auf seine Persönlichkeit. 2017 erhielt der 29 Jahre alte Alexander Roovers vom Erstligisten 1. BV Mülheim den Pokal, der seit vielen Jahren im Deutschen Badminton-Zentrum (DBZ) in Mülheim an der Ruhr als Sparringspartner fungiert und in der Badmintonszene als überaus fairer und sympathischer Sportler bekannt ist. „Ich fühle mich sehr geehrt – wegen der Trophäe an sich, aber auch, weil sie vorher schon viele gute Spieler erhalten haben. Dass ich mich in diese Reihe einreihen darf, macht mich stolz“, meinte Alexander Roovers, der von der Ehrung sichtlich überrascht war.

 

Claudia Pauli

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