Eine Ära geht zu Ende: Li Yongbo tritt ab

24 Jahre lang stand Li Yongbo als Cheftrainer an der Spitze der chinesischen Badmintonnationalmannschaft. Sechs olympische Spiele mit insgesamt 18 Goldmedaillen fallen unter die Amtszeit des ehemaligen Doppelspezialisten. Eine beeindruckende Bilanz und eine große Ära des chinesischen Badmintons, die nun allerdings zuende geht.

Nach über zwei Jahrzehnten verkündete Li nun seinen Rückktritt als Head Coach. Gegenüber der Tengxun Sport erklärte er, dass er sich müde fühlt und denkt, dass es an der Zeit ist, Platz für die jüngere Generation zu machen. Während der aktuell laufenden Singapore Open bestätigte er diese Schritt zudem in einem Interview.

Auch wenn er auf eine extrem erfolgreiche und dominante Zeit des chinesischen Badminton zurückblicken kann, wurde die Kritik und Rücktrittsforderungen an seiner Person vor allem in den letzten Jahren im eigenen Land immer lauter. 

 

Zum einen zeigte man sich enttäuscht über "lediglich" zwei Goldmedaillen in Rio. Viel zu wenig für die Ansprüche der Badmintonsupermacht, die in London gar alle fünf Titel gewann. Auch bei Superseriesevents gab es zuletzt weniger Erfolge für das Reich der Mitte. Bei den All England Championships im vergangenen Monat ging lediglich ein Sieg an Li's Spieler, das schlechteste Abschneiden seit über 20 Jahren.

 

Zum Anderen sorgten aber auch zahlreiche Skandale und seine polarisierende Persönlichkeit für reichlich Kritik. So machte der ehemalige Doppelweltmeister kein Geheimnis daraus, dass für ihn lediglich Siege zählen. Spielabsprachen in chinesischen Partien lagen stets an der Tagesordnung. Trauriger Höhepunkt war sicher der Olympiaskandal in London, in dem Li Yongbo einem chinesischen Damendoppel die Anweisung gab, absichtlich zu verlieren, um später ein vermeintlich besseres Los zu haben.

 

Auch mit Lin Dan kam es immer wieder zu Problemen. Mit seiner extrovertierten Art zählte der Herreneinzelstar nicht zu den Lieblingen des großen Coaches, der die Fäden immer gerne fest in der Hand hielt. So wurden vor allem in den letzten Jahren die Spannungen zwischen den beiden immer größer und auf den Coachingstühlen hinter Lin Dans Feld suchte man Li Yongbo stets vergebens.

 

Laut chinesischen Medienangaben wird Li in Zukunft nicht wie zunächst oft spekuliert, in das Amt des Chefdirektors für Tischtennis und Badminton in China wechseln, sondern für das Olympiakomitee im Wintersport arbeiten. Wie freiwillig sein Abgang aus dem chinesischen Badmintonverband wirklich ist, ist bislang noch unklar.

 

Red

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