"Max"imale Dramatik

Die Matchwinner des TV Refrath: Max Schwenger und Carla Nelte
Die Matchwinner des TV Refrath: Max Schwenger und Carla Nelte

Ein Drehbuchautor hätte für das erste Final Four der Bundesligageschichte wohl kein besseres Ende schreiben können. Beim Stand von 3:3 holt sich der TV Refrath mit dem Sieg im abschließenden, entscheidenden Mixed gegen den BC Bischmisheim den ersten Deutschen Mannschaftsmeistertitel der Vereinsgeschichte. Historisch für den Club, aber vor allem der Spieler, der unter anderem für diesen entscheidenden Punkt sorgte, war die ganz besondere Geschichte des Finals.

Überraschungscomeback nach 19 Monaten:

Vor knapp eineinhalb Jahren erschütterte eine Nachricht den deutschen Badmintonsport: Max Schwenger, amtierender deutscher Meister im Herrendoppel und einer der ausichtsreichsten Nachwuchshoffnungen muss seine internationale Karriere wegen andauernder Hüftprobleme mit 23 Jahren beenden. Auf einen Schlag wurde es still um den Dritten der Jugend-WM von 2010. Während der ganzen Saison war er zwar im Kader seines alten Teams und auch bei einigen Spielen des TV Refrath auf der Bank, aber nie auf dem Feld aktiv. Doch dann kam die große Sensation zum Ligafinale.

 

Mindestens bei zehn Begegnungen muss ein Spieler in der Punkterunde dabei sein, um für die Playoffs spielberechtigt zu sein und genau diese zehn Einsätze sammelte Schwenger im Laufe der vergangenen Spielzeit. "Wir haben unglaublichen Aufwand betrieben, um uns die Chance offen zu halten, dass Max beim Final Four spielen kann und am Ende ist der Plan tatsächlich aufgegangen," so Refraths Teammanager Heinz Kelzenberg.

 

Bereits Samstag nahm die Geschichte ihren Lauf, als der 25-jährige im Halbfinale gegen den TSV Trittau, zur Überraschung aller, in der Aufstellung zu finden war. Ohne Probleme holte er, gemeinsam mit Fabian Holzer, den Punkt im zweiten Doppel und sorgte bereits hier für die erste Überraschung, teilweise auch in den eigenen Reihen. "Bis Freitag wusste ich gar nicht, dass Max vielleicht sogar spielen kann," erzählte uns Teamkollege Sam Magee nach dem Spiel.

 

Wie zu den besten Zeiten:

An dessen Seite sollte die verrückte Geschichte dann ihren Lauf nehmen. Im Finale, gegen den Seriensieger und amtierenden Meister Bischmisheim, schickte Kelzenberg die beiden gegen das deutsche Olympiaduo Fuchs/Schöttler ins Spitzendoppel. Nach einer bitteren Niederlage im Damendoppel war für die Nordrheinwestfalen fast schon klar, dass man hier punkten müsse, wollte man die Chance auf den Hans-Riegel Pokal aufrecht erhalten. Doch Schwenger und Magee setzten das Ausrufezeichen und holten in fünf engen Sätzen den so wichtigen Punkt für Refrath. Nach klaren Niederlagen im zweiten Herreneinzel und im Herrendoppel sorgten Chloe Magee und vor allem Fabian Roth, durch einen souveränen Dreisatzsieg gegen Marc Zwiebler, für das entscheidende Spiel 7 und nun sollte die Dramatik ihren Höhepunkt finden.

 

Eigentlich sollte hier Sam Magee erneut an den Start gehen, doch der Ire klagte nach dem Doppel über Hüftprobleme und für ihn sollte plötzlich "Comebacker" Schwenger einspringen. Verwirrung bei den Offiziellen und den Gegnern Bischmisheim, die wegen der unklaren Regellage vorsorglich Protest einlegten. Doch nach kurzem Blick in die Statuten wurde der Wechsel als regelkonform bestätigt und die irre Geschichte nahm ihren Lauf.

 

An der Seite von Carla Nelte, mit der er vor seinem Karriereende noch international erfolgreich unterwegs war, ließ Schwenger keine Sekunde den Eindruck aufkommen, dass er jemals weg war und sicherte, unter großem Jubel der Mitspieler und mitgereisten Fans, den entscheidenden letzten Punkt. Nach fast 19 Monaten ohne ein einziges Wettkampfmatch avancierte der Franke aus dem Nichts zum Titelhelden.

 

Wir sprachen direkt nach dem Spiel mit dem Matchwinner über das unglaubliche Wochenende und seine Zukunft:

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Rumpel , Dr. Horst (Montag, 15 Mai 2017 22:51)

    Ich bin froh , beim ersten Final Four , als Sport - Fotograf , dabei gewesen zu sein !