Saison der Veränderungen: Unsere Tops und Flops der Bundesligasaison 16/17

Neue Zählweise, ein zusätzliches Spiel, neuer Playoffmodus - die Bundesligasaison 16/17 hatte unzählige Neuerungen zu bieten. Ziel war es vor allem, die Attraktivität für Zuschauer und Medien zu steigern und das System zwischen den beiden obersten deutschen Badmintonligen anzugleichen. Doch ist das Vorhaben geglückt, und ist die Bundesliga auf dem richtige Weg, oder war der Umbruch nur viel Wirbel um Nichts? Wir blicken auf eine Saison der Veränderungen.

Neue Zählweise:

Mit am heißesten diskutiert wurde die Einführung einer neuen Zählweise, eigens für den Ligabetrieb. Drei Gewinnsätze bis 11 wurden vom Weltverband in den vergangenen Jahren schon mehrfach angedacht und getestet, eine wirkliche Umsetzung steht allerdings weiterhin in den Sternen. Um kürzere spannende Sätze zu erzeugen, entschied man sich nun, den Modus in der Bundesliga umzusetzen und der Plan ging auf.

Statt langatmigen Sätzen, die erst nach 10 Minuten an Fahrt aufnahmen, sorgten die Verkürzung für Acton und hohes Tempo ab dem ersten Aufschlag. Kurze Schwächephasen wurden sofort mit einem Satzverlust bestraft und verlangten den Spielern daher mental einiges ab. Einziger Negativpunkt: Vor allem zu Saisonbeginn gestalteten sich viele Doppelspiele deutlich zerfahrener und hektischer als in den Vorjahren, doch gegen Ende entwickelten sich auch hier zahlreiche hochkarätige Matches.

 

TOP



Spiel 7

Wir sehen die Einführung eines siebten Spiels mit gemischten Gefühlen. Vorweg ist zu sagen, dass die Änderung von keinem der Erst- und Zweitligisten wirklich gewünscht war. Viel mehr war die Erhöhung (bzw. Verminderung in Liga 2) ein Kompromiss, um die beiden höchsten Spielklassen anzugleichen und den Aufstieg zu erleichtern.

 

Letzteres war eines der großen Probleme in den Vorjahren. 8 Spiele in Liga 2, 6 Spiele in Liga 1 - viele Zweitligisten schafften den sportlichen Aufsteig, verzichteten aber auf ihr Recht und blieben lieber Zweitklassig. Meist wäre der Aufstieg mit einem großen Mannschaftumbruch verbunden gewesen, bei dem viele Eigengewächse aus der Mannschaft gefallen wären. Nachdem weder die Zweitligisten, noch die Erstligisten von ihrem bisherigen Modus abweichen wollten, traf man sich letztendlich in der Mitte, für das gemeinsame Ziel und das zunächst auch mit Erfolg: Sowohl im Norden, als auch im Süden signalisierten mehrere Teams ihre Aufstiegsambitionen und vor allem im Norden entwickelte sich ein spannender Kampf um die Tabellenführung.

 

Im Hinblick auf mehr Qualität und professionalisierung der Liga war die EInführung eines zweiten Doppels allerdings sicher kein Gewinn. Für die meisten Mannschaften bedeutete das zusätzliche Spiel vor allem eines: mehr Kosten. Viele Teams brachten vorrangig ihre Einzelspezialisten zum Einsatz um Geld zu sparen. Natürlich entwickelten sich auch hier spannende Spiele, einen wirklichen Mehrwert brachte es aber nicht und für mehr Professionalität wären sechs, oder nur fünf Spiele sicher besser.

 

FLOP



Punktevergabe:

Durch die ungerade Anzahl an Spielen war auch klar, dass es künftig kein Unentschieden mehr geben wird. Daher die Frage, was in Sachen Punktevergabe geschehen soll und hier gab es eine der spannendsten Veränderungen der Saison. Nicht nur, dass man durch einen hohen Sieg gleich dreifach punkten konnte, auch wurden knappen Niederlagen noch mit einem Punkt für den Verlierer belohnt. Man wollte die Teams dazu bringen, um jedes Spiel zu kämpfen und der Plan ging auf. Deutlich weniger abgeschenkte Spiele als in den Vorjahren und Spannung bis zum Schluss, unabhängig vom Spielstand. Durch den möglichen "Dreier" bei einem Kantersieg waren zudem auch größere Sprünge in der Tabelle jederzeit möglich.

 

TOP



Playoffviertelfinals:

Anders als in den Vorjahren qualifizierten sich dieses Jahr sogar die besten sechs Mannschaften für die Playoffs. Neben den zusätzlichen Spielen mit Endspielcharakter gab es vor allem einen großen Pluspunkt durch die Neuerung: Spannung bis zum letzten Spieltag. Vor dem Absteigskampf ging direkt der Kampf um die begehrten sechs Spitzenplätze los, der erst am letzten Spieltag der Saison entschieden wurde. Bedeutungslose Spiele im Mittelfeld zum Saisonende, die es sie in den Vorjahren zu Hauf gab, entfielen.

 

TOP



Final Four:

Neben den Playoffänderungen gab es noch eine andere große Systemneuerung. Anstatt eines normalen Ligafinals folgte man dem Beispiel anderer Sportarten mit der Austragung eines Final Four. So ermittelten vier Mannschaften an einem Wochenende den Sieger in einer Halle. Doch der Eventcharakter brachte nicht den erhofften Schub.

Auch wenn zahlreiche Fans der Teams den Weg in die Waldhessenhalle in Bad Hersfeld fanden, blieben dennoch viele der Plätze leer. So hatte die Veranstaltung auf neutralem Boden durch die lautstarken "Auswärtsfans" von Düren, Bischmisheim, Trittau und Refrath schon ihren Charme, verglichen mit dem vollgepackten Hexenkesseln in Saarbrücken aus den beiden Vorjahren war das große Finale Zuschauertechnik aber definitiv ein Rückschritt.

 

FLOP



Die Relegation:

Beim Thema Auf- und Abstieg entschied man sich dafür, eine Relegation zwischen den Aufstiegsaspiranten aus Nord und Süd und dem Neunten der ersten Bundesliga auszutragen. Im Modus Jeder gegen Jeden sollten hier die beiden Aufsteiger ermittelt werden. An und für sich ein spannender Gedanke, aber hier wurden einige große Fehler offenbart.

So war durch die zwei Niederlagen des TSV Neuhausen Nymphenburg am Samstag bereits klar, dass die beiden Zweitligisten Wipperfeld und Dortelweil sicher aufsteigen. Dennoch mussten die beiden am Sonntag noch ihr, nun völlig bedeutungsloses Spiel, zum Leidwesen des Ausrichters Goldbach, vor fast leeren Rängen austragen.

Dem noch nicht genug, erklärte der BC Düren nur wenige Tage später seinen Rückzug aus der Bundesliga, was den Klassenerhalt von Neuhausen und die Bedeutungslosigkeit der Relegation bedeutete.

 

FLOP



Das Fazit:

Es war eine Saison der Veränderungen und darunter waren viele Positive! Zählweise, Punktevergabe oder mehr Playoffplätze - alles brachte reichlich Spannung in die Bundesligasaison 16/17. Neben Kritikpunkten wie dem undurchdachten Relegationsmodus oder leeren Plätzen beim großen Finale gibt es aber doch eine Sache, die allen Verantwortlichen zu denken geben sollte. Mit dem FC Langenfeld und dem BC Düren gab es erneut zwei Teams, die ihre Mannschaft aus der Bundesliga zurückzogen. Ein altes Problem, dass schon daran zweifeln lässt, ob die Bundesliga auf dem richtigen Weg zu mehr Professionalität und Attraktivität ist. Vor allem der Rückzug des BC Düren, nach der erfolgreichsten Saison der Vereinsgeschichte und Platz 3 sollte bedenklich stimmen.

 

Haben die Regeländerungen also gar nichts gebracht? Doch, wir denken schon, aber nun ist es wichtig die richtigen Schlüsse zu ziehen und weiter daran zu arbeiten, die Liga attraktiver zu machen und das nicht nur für die Fans, sondern vor allem auch für die Teams. Neben kleinen Stellschrauben, wie Anpassungen bei der Relegation, die bereits angekündigt wurden, müssen die Mannschaften in Sachen Vermarktung und Präsentation der Spiele an einem Strang ziehen und vor allem überprüfen, ob die Änderungen auch nach Außen den gewünschten Effekt haben. Bislang wurden keine Daten im Bezug auf das Zuschauerinteresse erhoben. Das muss sich dringend ändern!

 

Eines stimmt aber definitiv positiv: Auch in diesem Jahr gab es genug Teams aus den zweiten Ligen, die erstklassig spielen wollten, was in den vergangenen Jahren nicht selbstverständlich war. Sowohl Wipperfeld als auch Dortelweil, die den Sprung am Ende schafften, wirken hochmotiviert und könnten der Liga weiter Schwung bringen. Wir hoffen daher auf eine ähnlich spannende Saison wie in diesem Jahr, die dieses Mal aber mit 10 Teams zuende geht.

 

Red

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