Auf anderem Weg in die Weltspitze

Der übliche Weg in die Weltspitze führt für einen deutschen Badmintonspieler normalerweise immer über einen der beiden Olympiastüzpunkte in Saarbrücken oder Mülheim. Tägliches Training mit den Bundestrainern, viele starke Trainingspartner und ein professionelles Umfeld brachte in den vergangenen Jahren sämtliche Deutsche Meister und Olympiateilnehmer hervor. Doch Hannah Pohl und Lisa Kaminski vom BC Bonn Beuel wollen nun einen anderen, unkonventionellen Weg gehen. Wir sprachen mit den beiden Damendoppelspezialistinnen über ihr gemeinsames Vorhaben.

Hallo Hannah, hallo Lisa. Ihr seit schon seit einigen Jahren gemeinsam als Damendoppel in der deutschen Spitze unterwegs, aber seit kurzem findet man euch auch auf Facebook und ihr habt eine eigene Internetseite. Was hat es damit auf sich?

 

Lisa: Wir haben ein gemeinsames Projekt gestartet, mit dem Ziel unser Training zu professionalisieren und wollen uns im Damendoppel in die Weltspitze kämpfen.

 

Ihr spielt ja schon seit längerem zusammen und wart auch  bereits viel international unterwegs. Was ändert sich jetzt durch euer Projekt?

 

Hannah: Jetzt geht es für uns erst einmal darum, Sponsoren zu finden. Aktuell finanzieren wir unser Training und die Turniere durch Zuschüsse von unserem Verein und durch unser eigenes Geld. Da stößt man in Sachen professionalisieren natürlich irgendwann an seine Grenzen.

 

Lisa: Ja, ich denke hier hilft uns unser Studium auf jeden Fall schon einmal weiter, weil man doch viele Kontakte geknüpft hat, die uns nun hoffentlich weiter bringen können. In Verbindung mit unserer Website hoffen wir so weitere Unterstützung zu finden, um noch mehr in den Sport investieren zu können.

 

Heißt das dann aktuell vollzeit Badminton?

 

Hannah: Nein, ich studiere Sportmanagement und Lisa arbeitet Halbtags bei Haribo nachdem sie ihr Sportmanagement-studium schon erfolgreich beendet hat. Wir wollen jetzt aber so professionell wie möglich an die ganze Sache rangehen und haben uns in Bonn schon ein kleines Team aufgebaut, das uns unterstützt.

 

Die anderen Topspielerinnen sind alle in Mülheim, bzw bald in Saarbrücken am Olympiastützpunkt. War das keine Option für euch?

 

Hannah: Ich hatte vor einiger Zeit darüber nachgedacht den Sprung zu versuchen, aber als es für mich zur Debatte stand, war die Damendoppelgruppe extrem groß und ich wäre eine der schlechtesten Spielerinnen am Stützpunkt gewesen. Das heißt natürlich auch, dass man sicher nicht im Fokus der Trainer steht, was es schwierig macht, sich weiterzuentwickeln. Daher die bewusste Entscheidung in Bonn zu bleiben, wo wir zwar nicht die gleichen Bedingungen und Trainingspartnerinnen haben, aber wir ganz individuell mit unseren Trainern arbeiten können!

 

Lisa: Ich war nie in einem Kader und daher hatte ich einen Wechsel auch nie auf dem Schirm. Wir sind hier beide in Bonn gemeinsam aufgewachsen, haben dem Verein unglaublich viel zu verdanken und sind sehr zufrieden mit der aktuellen Situation.

 

Also ist es auch nicht das Ziel, später an einen Olympiastützpunkt zu wechseln, sondern ihr wollt euren eigenen Weg gehen?

 

Lisa: Es ist ja auch immer die Frage, ob es darum gehen sollte den Leistungssport unbedingt zu zentralisieren, oder ob es nicht vielleicht auch gut für den Sport ist, wenn es mehrere interessante Standorte für Spieler gibt. Vor allem in einer Randsportart überlegen sich viele an einen Stützpunkt zu wechseln, wenn es dort vielleicht nicht den gewünschten Studiengang gibt. Wir wollen mit unserem Projekt keineswegs gegen den Verband arbeiten. Vielmehr hoffen wir dadurch einige andere Spieler zu inspireren und dem Sport und vor allem unserem Verein etwas zurückzugeben.

 

Wie ist euer Verhältnis zu den anderen Spielerinnen, die in Mülheim sind? Ist hier ein besonderer Konkurrenzkampf spürbar und wie sehen andere euer Projekt?

 

Lisa: Klar sind wir alle Konkurrentinnen, aber das ist ja ganz normal und hier hat sich auch nichts geändert. Wir verstehen uns gut mit den anderen Mädels und sehen uns auch oft auf Turnieren oder bei Ligaspielen. Bisher gab es von allen Seiten nur positives Feedback zu unserem Vorhaben. Sicher gibt es auch einige, die das Ganze belächeln, aber das ist uns eigentlich egal. Wir glauben an uns und denken dass auch auf diesem ungewönlichen Weg ganz viel möglich ist.

 

Wo soll es denn auf lange Sicht hingehen und was ist euer konkretes Ziel für die Zukunft?

 

Hannah: Natürlich träumt man als Badmintonspieler immer von Olympia, aber das ist natürlich im Doppel, durch die wenigen Paare die sich qualifizieren, sehr sehr schwer. Unser Ziel ist es erstmal unter die Top 30 der Welt zu kommen und wir würden gerne einen deutschen Meistertitel gewinnen.

 

Wie geht es jetzt die kommenden Wochen und Monate weiter?

 

Hannah: In zwei Wochen steht für uns die erste richtig lange Turnierreise an. Nachdem wir bisher immer nur in Europa gespielt haben, sind wir dann in Mauritius am Start.

 

Lisa: Ich bin noch nie annähernd so lange geflogen und bin richtig gespannt wie es wird! Nach dem Turnier dort gönnen wir uns noch ein paar Tage Urlaub, bevor es dann wieder weiter ans Training und die Sponsorensuche geht.

 

Vielen Dank für eure Zeit und ganz viel Erfolg auf eurem weiteren Weg.

 

 

Zu der Website von Hannah und Lisa geht es hier. Zudem erzählen die beiden aus ihrem Trainings- und Turnieralltag auf ihrer Facebookseite.

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