WM Titelcheck: Wer holt die Krone im Herreneinzel?

Bilder: Bernd Bauer
Bilder: Bernd Bauer

Holt sich Lin Dan seinen sechsten WM Titel? Kann Lee Chong Wei den Bann brechen und krönt sich erstmals zum Weltmeister? Behält Chen Long seine Dominanz bei Großevents? Oder jubelt am Ende jemand anderes? Der Kampf um den Titel im Herreneinzel ist nach wie vor das große Thema, war selten so spannend und der Kreis der Titelkandidaten noch nie so groß wie in diesem Jahr.  Wir blicken Voraus auf den mit Spannung erwarteten Kampf um WM Gold.

Bild: Bernd Bauer
Bild: Bernd Bauer

Shi Yuqi (China/Setzplatz 4)

Kaum zu glauben aber wahr: Weder Lin Dan noch Chen Long sind aktuell die bestplatzierten chinesischen Spieler in der Weltrangliste, sondern deren Landsmann Shi Yuqi. Seit einige Monaten steht der nun bereits auf Rang 4 der Weltrangliste und möchte bei seiner ersten Weltmeisterschaft direkt ganz vorne mitspielen. Vor allem mit seiner Finalteilnahme bei den All England, bei denen er Superstar Lin Dan im Halbfinale aus dem Weg räumte, spielte sich der aufstrebende Star ins Rampenlicht.

Im Viertelfinale könnte es genau zu diesem rein chinesischen Duell erneut kommen, doch Lin Dan zeigte gleich in der Folgewoche der All England, dass er sich der jungen Generation nicht so einfach geschlagen gibt. Beim Finale der Swiss Open ließ er Shi keine Chance und ließ durchklingen, dass seine Niederlage in Birmingham eher ein Ausrutscher war. 

 

Unser TippWir denken auch, dass es mit diesem Los ganz schwer mit einer Medaille wird und der Jugendolympiasieger im Viertelfinale die Segel streichen muss.

Son Wan Ho (Korea/1)

Seit einige Wochen steht mit Son Wan Ho ein neues Gesicht an der Sptize der Weltrangliste und damit auch an der Spitze der Setzliste für die diesjährigen Titelkämpfe. Im Schatten von Lee Chong Wei, Axelsen und Co. schlich sich der Koreaner fast unbemerkt auf Platz 1 des begehrten Rankings. Vor allem durch Konstanz konnte er sich in den letzten 12 Monaten auszeichnen und warf damit am Ende auch Lee kurz vor der WM von seinem Stammplatz. Doch geht der 29 jährige damit auch als Favorit an den Start?

Son kann zwar auf ein tolles Jahr zurückblicken, doch trotz guter Ergebnisse blieben die großen Titel aus. Mit dem Korea Masters konnte er lediglich ein Grand Prix Gold für sich entscheiden, bei den Denmark und Korea Open scheiterte er jeweils im Finale. Mit seiner geduldigen Spielweise zeigte er schon in den vergangenen Jahren, dass er es jedem Topspieler richtig schwer machen kann, doch der letzte große Wurf bei einem Superseries liegt bereits drei Jahre zurück und bei Großevents gab es bislang noch keine Medaille. Zudem wartet im Viertelfinale vermutlich schon eine ganz unangenehme Aufgabe. Daher wird es auch in Glasgow schwer für den Topgesetzten.

 

Unser Tipp: Gewohnt solide lässt Son bis zum Viertelfinale nichts anbrennen, aber kurz vor der Medaille ist Schluss für die 1 der Setzliste.

 

Chen Long (China/5)

Nur zwei Turniersiege in den letzten zwei Jahren, doch die haben es in sich. Sowohl bei Olympia und auch bei den Asienmeisterschaften vor einigen Monaten zeigte Chen Long eindrucksvoll, dass er voll da ist, wenn es drauf ankommt. Zudem Siege bei den letzten beiden Weltmeisterschaften lassen den Chinesen ohne jeden Zweifel in den engsten Favoritenkreis aufsteigen. Vor allem Lin Dan und Lee Chong Wei hatten bei den letzten Aufeinandertreffen häufig das Nachsehen und seine unglaubliche Geduld, Ruhe und Stabilität auf dem Feld könnten ihm auch dieses Mal zu seinem nächsten großen Titel verhelfen.

Spannend ist allerdings ein Blick auf die Auslosung, denn hier könnte es bereits im Viertelfinale eine Neuauflage des Olympiafinals von Rio geben und das wird den Chinesen sicher nicht freuen. Zuletzt spielte er meistens zu einem sehr späten Zeitpunkt in Turnieren gegen den Malayen und profitierte von seiner unglaublichen Physis. Im Viertelfinale könnte es daher durchaus schwer werden und der Weg zur Medaille ist extrem steinig.

 

Unser Tipp: Er ist der Dominator der letzten Großevents, doch in Glasgow geht der unglaubliche Lauf zu ende. Aufgrund der harten Auslosung ist für den Olympiasieger schon im Viertelfinale Schluss.

Lin Dan (China/7)

Es ist zweifellos der beste Badmintonspieler aller Zeiten und seine Liste an Erfolgen ist schier endlos. In Glasgow möchte Superdan nun noch einmal einen ganz großen Titel folgen lassen und sich seinen sechsten (!) WM Titel erspielen. Die Dominanz aus früheren Zeiten zeigte er in den vergangenen Jahren nicht mehr, doch nach wie vor steht Lin Dan mit wenig Turnietteilnahmen auf Rang 7 der Weltrangliste und zeigte ein ums andere Mal, dass er immernoch einer der besten Badmintonspieler auf dem Planeten ist. So schlug er Lee Chong Wei in seinem "Wohnzimmer" bei den Malaysia Open und konnte auch sonst nahezu alle anderen Top 10 Spieler schlagen. Nur gegen Olympiasieger Chen Long gelang ihm nun schon seit längerem kein Sieg mehr.

Auch wenn der Favoritenkreis groß ist und mit Shi Yuqi im Viertelfinale ein starker und besser gesetzter Landsmann wartet sollte man auch in diesem Jahr mit einem Lin Dan in Topform rechnen, dem Alles zuzutrauem ist.

 

Unser Tipp: Wieder holt sich der fünfmalige Weltmeister eine Medaille, allerdings nicht die erhoffte sechste Goldene. Wie schon bei Olympia muss er sich in einem Halbfinalkrimi geschlagen geben.

 

Viktor Axelsen (Dänemark/3)

Nach seinen Siegen beim Superseriesfinale und in Indien kurz darauf dachten viele, dass Viktor Axelsen nun den Weg nach ganz oben in der Weltrangliste schaffen würde. Doch weitere ganz große Titel blieben aus und zudem gab es bei der Europameisterschaft gegen Anders Antonsen eine ganz bittere Niederlage im landesinternen Duell. Trotzdem geht Axelsen mit Setzplatz drei aussichtsreich in das Rennen um die Medaillen und möchte nach Bronze bei der Heim WM 2014 unbedingt wieder aufs Podium.

 

Mit Takuma Ueda hat der Däne von den Favoriten sicher eine der schwersten Aufgaben zum Auftakt. Ansonsten hat er mit Ng Ka Long und Chou Tien Chen zwar zwei starke Gegner in seinem Viertel, hätte es hier aber auch sicher schlimmer erwischen können. Also definitiv Chancen auf eine Medaille.

 

Unser Tipp: Nach knappem Sieg zum Auftakt spielt sich Axelsen mit starker Leistung ins Halbfinale, hier ist allerdings wie schon in 2014 Endstation.

 

Lee Chong Wei (Malaysia/2)

Es könnte die letzte Chance für Lee Chong Wei auf einen ganz großen Titel sein. Die Malaysische Sportikone geht ab Dienstag auf die Jagd nach dem großen Traum und ist natürlich auch in Glasgow wieder einer der großen Titelkandidat. Bis vor kurzem stand der inzwischen 34 Jahre alte Lee noch an der Spitze der Weltrangliste und wurde erst kurz vor Ende der Setzplatzfrist von Koreas Son Wan Ho verdrängt. Doch auch wenn er nicht wie bei den vergangenen Ausgaben mit unzähligen Turniersiegen und als haushoher Favorit in die WM startet, gibt es (außer Lin Dan) vermutlich keinen, der ihn sich als Gegner wünscht.

 

So wird es vor allem zu Turnierbeginn für seine Gegner ganz schwer und auch für Chen Long könnte das mögliche Rematch des Olympiafinals im Viertelfinale zu früh kommen.

 

Unser Tipp: Mit gewohnter Entschlossenheit spielt sich Lee ins Viertelfinale, überwindet dann auch noch Chen Long und Viktor Axelsen, doch auch im vierten Finalanlauf will der WM Titel nicht gelingen. Silber für den Malayen.

 

Srikanth Kidambi (Indien/8)

Er ist der Spieler, der wohl mit dem meisten Aufwind in die diesjährige Weltmeisterschaft startet und auch aus unserer Sicht zu den absoluten Topfavoriten zählt. Mit den Indonesia Open und den Australia Open konnte Srikanth Kidambi die letzten zwei großen Turniere für sich entscheiden und gewann gegen die versammelte Weltelite. Auch bei den Singapur Open zuvor stand er im Finale und kann damit auf eine beeindruckene Bilanz aus den letzten Monaten zurückblicken.

Schon bei Olympia kratzte der Inder an einer Medaille, als er kurz davor stand, Lin Dan aus dem Turnier zu werfen. Mit seiner aktuellen Form kann man ihm nun sicher Alles zutrauen und sollte ihn als ganz heißen Titelkandidaten im Auge behalten.

 

Unser Tipp: Der Inder bringt die Form und den Aufwind aus den letzten Turnieren mit nach Glasgow, lässt sich auch von den Topstars nicht stoppen und sorgt für die große Sensation – Gold.

 

Red

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