WM Tag 1: Mehrere Debütanten siegreich

Marvin Seidel (l.) und Mark Lamsfuß gewannen ihr Auftaktmatch in zwei Sätzen.  Foto: Claudia Pauli.
Marvin Seidel (l.) und Mark Lamsfuß gewannen ihr Auftaktmatch in zwei Sätzen. Foto: Claudia Pauli.

Die „Losfee“ meinte es nicht gut mit Fabian Roth (1. BC Saarbrücken-Bischmisheim; Weltranglistenplatz 36): Gleich in seinem Erstrundenmatch traf der 21 Jahre alte Deutsche Meister im Herreneinzel bei den Individual-Weltmeisterschaften 2017 in Glasgow/Schottland (21. bis 27. August) auf den amtierenden Vize-Europameister Anders Antonsen (Weltranglistenplatz 18). Und der Däne erwies sich auch im insgesamt dritten Vergleich mit dem U19-Europameister von 2013 aus Deutschland als geringfügig stärker: Mit 15:21, 16:21 musste sich Fabian Roth am Montagabend (21. August) in der Emirates Arena – bei seinem Debüt bei Titelkämpfen dieser Art – dem an Nummer 14 gesetzten 20-Jährigen geschlagen geben.

 

„Es war für mich schwierig reinzukommen, meinen Rhythmus zu finden. Ich hatte in den vergangenen zwei Wochen ein bisschen Rückenprobleme und konnte in dieser Zeit entsprechend nicht viel machen. Es wurde im Verlauf des Spiels immer besser, aber es hat nicht gereicht“, zog Fabian Roth enttäuscht ein Fazit. „Die schwerste erste Runde von allen deutschen WMTeilnehmern hat aus meiner Sicht Fabian Roth“, hatte DBV-Sportdirektor Martin Kranitz schon unmittelbar nach der Auslosung prophezeit.


Dameneinzel
Insgesamt stehen für den Deutschen Badminton-Verband (DBV) am ersten Veranstaltungstag des Großereignisses vier Siege und vier Niederlagen zu Buche. Erfolgreich verlief der Turnierstart u. a. für Luise Heim (1. BC Beuel; Weltranglistenplatz 72). Die aktuelle Deutsche Meisterin im Dameneinzel setzte sich in ihrem Auftaktmatch mit 17:21, 21:13, 21:9 gegen die Engländerin Fontaine Mica Chapman (Weltranglistenplatz 70) durch.


„Der Tag heute war irgendwie besonders, weil ich im ersten Satz gar kein Gefühl hatte. Die Bällewaren langsam, es war ein bisschen windig. Das war kein schönes Spiel, aber ich bin glücklich, dass ich mich reinkämpfen konnte“, so die 21-Jährige, die im entscheidenden Durchgang ihrer Gegnerin nach der Pause keinen Punkt mehr überließ. Sie fügte hinzu: „Im dritten Satz war ich in der ersten Hälfte auf der ‚schlechten‘ Seite, was den Wind anbelangt, und wusste, dass ich einfach kämpfen muss. Nachdem es zur Pause 11:9 für mich stand, hat sie – glaube ich – den Mut verloren, auf der ‚schlechten‘ Seite aufzuholen.“


Luise Heim trat am 21. August nicht nur zum ersten Mal in ihrer Karriere im Rahmen eines Turniers gegen Fontaine Mica Chapman an, sondern sie bestritt zudem erstmalig ein Match bei einer Individual-WM. Die Studentin trifft in Glasgow in Runde zwei auf die an Nummer 15 gesetzte Spanierin Beatriz Corrales (Weltranglistenplatz 25). Auch diese Begegnung kommt erstmalig zustande.


Ebenfalls ihr Debüt bei Titelkämpfen dieser Art gab am Montag Fabienne Deprez (Aulnay-sous-Bois/Frankreich; Weltranglistenplatz 49). „Ich war sehr nervös“, meinte die 25-Jährige, der es in Schottlands größter Stadt nicht gelang, ihre Bestleistung abzurufen. Mit 10:21, 12:21 verlor die DM-Zweite im Dameneinzel in der ersten Runde gegen die Dänin Mia Blichfeldt (Weltranglistenplatz 44). „Das war sehr schlecht. Ich habe den ganzen Sommer über so hart trainiert und hatte eine gute Vorbereitung. Das war nicht mein Tag, es sollte nicht sein heute“, so Fabienne Deprez selbstkritisch. Die Deutsche verzeichnete damit im insgesamt vierten Aufeinandertreffen mit der gerade 20 Jahre alt gewordenen Nordeuropäerin die dritte Niederlage.


Herrendoppel
Mit einer souveränen Leistung starteten hingegen Mark Lamsfuß (1. BC Wipperfeld) und Marvin Seidel (1. BC Saarbrücken-Bischmisheim) in die Titelkämpfe. Die Deutschen Vizemeister im Herrendoppel gewannen das erste Aufeinandertreffen in ihrer Karriere mit den Polen Milosz Bochat/Adam Cwalina (Weltranglistenplatz 61) mit 21:15, 21:14. „Wir haben eigentlich alles
umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten. Natürlich gibt es hier und da Sachen, bei denen wir individuell nicht zufrieden sind. Aber das war ein guter Einstieg in die WM“, resümierte Marvin Seidel.


Nächste Gegner der deutschen Nachwuchshoffnungen (Weltranglistenplatz 34) sind die an Nummer vier gesetzten Weltranglistenvierten Takeshi Kamura/Keigo Sonoda aus Japan. Die bis dato einzige Begegnung, ausgetragen im Mai 2017 im Rahmen der Mixed-Team-WM in Australien, gewannen die Asiaten in zwei Sätzen. Auch Mark Lamsfuß und Marvin Seidel starten in diesem Jahr erstmalig bei einer Individual-WM.


Damendoppel
Im Damendoppel erlitten beide Paarungen des DBV, die bereits am ersten Veranstaltungstag in der Emirates Arena aktiv waren, eine Niederlage: Johanna Goliszewski und Lara Käpplein (beide 1. BV Mülheim; Weltranglistenplatz 44) scheiterten mit 15:21, 15:21 an Helina Rüütel und Kristin Kuuba aus Estland (Weltranglistenplatz 70), die DM-Dritten Lisa Kaminski/Hannah Pohl (beide 1. BC Beuel; Weltranglistenplatz 87) verloren – trotz einer beeindruckenden Leistung im zweiten Satz – mit 10:21, 24:26 gegen die amtierenden EM-Dritten Sarah Walker und Lauren Smith aus England (Weltranglistenplatz 27).


„Sie sind natürlich gute Gegner. Wir wissen, sie waren die Favoriten. Nach dem Spiel ist es aber trotzdem enttäuschend, wenn man denkt, man kann einen Satz holen“, zog Lisa Kaminski ein Fazit. Hannah Pohl ergänzte: „Sie sind da, wo wir hin wollen.“ Beide Aufeinandertreffen bedeuteten eine Premiere im Rahmen eines internationalen Turniers. Lisa Kaminski und Hannah Pohl waren kurzfristig ins Starterfeld der Individual-WM gerückt, nachdem ein bulgarisches Damendoppel seine Teilnahme abgesagt hatte. „Die WM-Teilnahme war für uns eine ziemliche Überraschung, wir hatten sie gar nicht auf dem Schirm“, blickte Hannah Pohl zurück. Das Duo aus Bonn, das in der Erstligasaison 2017/2018 zum wiederholten Mal beim 1. BC Beuel mit Lauren Smith in einer Mannschaft spielt, bestritt – wie Lara Käpplein – am 21. August erstmalig ein Match bei einer Individual-WM.


Mixed
Im Mixed hingegen waren die deutschen Paarungen zu WM-Beginn erfolgreich: Während sich die nationalen Champions Raphael Beck/Carla Nelte (beide TV Refrath; Weltranglistenplatz 75) in ihrer Erstrundenpartie mit 15:21, 21:19, 21:11 gegen die Franzosen Thom Gicquel/Delphine Delrue (Weltranglistenplatz 68) durchsetzten, behielten die DM-Zweiten Mark Lamsfuß/Isabel Herttrich (1. BC Wipperfeld/1. BC Saarbrücken-Bischmisheim; Weltranglistenplatz 28) mit 21:10, 16:21, 21:15 gegenüber Gregory Mairs/Jenny Moore aus England (Weltranglistenplatz 64) die Oberhand. Keine dieser Begegnungen gab es zuvor im Rahmen eines Wettkampfes.


Raphael Beck und Carla Nelte müssen sich in Runde zwei mit der an Position zwölf notierten Paarung Tang Chun Man/Tse Ying Suet (Weltranglistenplatz 15) aus Hongkong messen. Mark Lamsfuß und Isabel Herttrich treffen dann auf die WM-Dritten von 2014 und amtierenden Vizeeuropameister, Joachim Fischer Nielsen/Christinna Pedersen (Weltranglistenplatz 6; Setzplatz 6). Das bislang einzige Duell, ausgetragen im Februar 2017 bei der Mixed-Team-EM in Polen, gewannen die Dänen in zwei Sätzen. Raphael Beck, der wie Mark Lamsfuß in diesem Jahr seinen ersten Start bei einer Individual-WM verzeichnet, und Carla Nelte stehen ihren Gegnern dagegen erstmalig gegenüber.


Einige Erstrundenspiele erst am Dienstag
Der dreimalige Olympiateilnehmer im Herreneinzel, Marc Zwiebler (1. BC Beuel; Weltranglistenplatz 21), bestreitet bei seiner letzten WM-Teilnahme in seiner langen und erfolgreichen Karriere erst am Dienstag (22. August) sein Erstrundenmatch. Auch das Herrendoppel Jones Ralfy Jansen/Josche Zurwonne (1. BC Wipperfeld/SC Union Lüdinghausen; Weltranglistenplatz 27) greift erst am zweiten Veranstaltungstag erstmalig ins WM-Geschehen ein. Jones Ralfy Jansen gibt dann sein Debüt bei Titelkämpfen dieser Art. Zudem trägt am 22. August das Damendoppel Isabel Herttrich/Carla Nelte (1. BC Saarbrücken-Bischmisheim/TV Refrath; Weltranglistenplatz 36) seine Partie aus der ersten Runde aus. Spielbeginn in der Emirates Arena ist am zweiten Veranstaltungstag um 11.00 Uhr Ortszeit (12.00 Uhr MESZ).

 

Claudia Pauli
(Pressesprecherin DBV)

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