Die Bundesliga vor ungewisser Zukunft

Wie geht es weiter mit der Badminton Bundesliga? Seit Jahren wünscht sich die Liga mehr Unabhängigkeit und mehr Flexibilität bei der Gestaltung von Regeln, Vermarktung und Präsentation. Nach längerer Vorbereitung erfolgte daher vor knapp eineinhalb Jahren bereits die Gründung des Deutschen Badminton-Ligaverbandes (DBLV). Dennoch ist man bei Entscheidungen, die letztlich nur die Bundesliga betreffen, immer noch auf die Zustimmung der Landesverbände beim DBV Verbandstag angewiesen.

Ein erster gemeinsamer Versuch des DBV-Präsidiums und des DBLV scheiterte im vergangenen Juni beim Verbandstag. Geplant war, dass der DBLV außerordentliches Mitglied im DBV werden sollte und zukünftig Spielbetrieb und Vermarktung in Eigenregie regelt. In Folge erheblichen Widerstands seitens der Landesverbände kam der Antrag jedoch nicht zur Abstimmung.

Warum ein Grundlagenvertrag?

Vereinbart wurde stattdessen, dass das DBV-Präsidium und die Bundesligavertreter, einen Grundlagenvertrag für eine befristete Zeit aushandeln sollten – sozusagen als Testphase. In dem Grundlagenvertrag wurden Regelungen zur Überlassung der Rechte zur Organisation und Vermarktung der 1. und 2. Bundesliga getroffen. Diese im vergangenen Juni vorgeschlagene Kompromisslösung wurde von den Landesverbandspräsidenten in Bielefeld in der vergangenen Woche nun mehrheitlich abgelehnt, was einen herben Rückschlag für das Bestreben der Liga bedeutet und nun zahlreiche Fragen aufwirft.

 

Warum streben die Vereine nach Selbständigkeit?

Bislang ist die Bundesliga ein Teil des DBV. Sie regelt ihre Geschäfte innerhalb des Ausschusses für Bundesligaangelegenheiten und der Bundesligavollversammlungen schon jetzt weitestgehend selständig. Sobald aber Ordnungen geändert werden, muss jedoch eine Mehrheit der Landesverbände beim nächsten Verbandstag dafür stimmen. Hier wird von den Bundesligavertretern bemängelt, dass viele der Vertreter mit der Bundesliga oft wenig bis gar nichts zu tun haben.

 

Die Bundesliga ist bislang nicht eigenständig. Selbst Verträge die ausschließlich die Bundesliga betreffen, können nur durch das DBV-Präsidium abgeschlossen werden, beispielsweise beim Final Four. Genauso wenig ist es deswegen möglich Mitarbeiter einzustellen, für die man weisungsbefugt ist oder mit denen eine eigenständige, gemeinsame Vermarktung aufgebaut werden könnte. Besonders hier versprachen sich die Bundesligisten durch den Grundlagenvertrag, welcher den Übergang in eine eigenständige Rechtsform unter dem Dach des DBV ermöglicht hätte, mehr Handlungsfreiheit.

 

Zudem gibt es derzeit keine wirkliche Möglichkeit Geld zu erwirtschaften, das direkt an die Bundesligisten geht oder für die Vermarktung der Liga genutzt werden könnte. Einnahmen aus TV-Rechten oder auch Bundesligaevents wie dem Final Four gehen derzeit beispielsweise komplett an den DBV. Dies löst bei den Bundesliga Versammlungen seit Jahren große Diskussionen aus, da inzwischen ein Großteil der Bundesligisten der Meinung ist, dass ihnen vor allem die Einnahmen aus TV-Einnahmen rechtlich gesehen zustehen. Nach Schätzungen einzelner Bundesligavertreter beläuft sich dies auf einen mittleren fünfstelligen Betrag pro Saison.

 

Was steht im Grundlagenvertrag und warum wurde er abgelehnt?

Im Grundlagenvertrag ging es vorrangig um die Übertragung der Organisations- und Vermarktungsrechte an der Bundesliga für eine Testphase von drei Spielzeiten. Diese sollten für diesen Zeitraum auf den DBLV übertragen werden. Im Gegenzug verpflichtete sich der DBLV dazu, sich dem Regelwerk des DBV zu unterwerfen, Kaderspieler für Turniere abzustellen, ein Konzept zur Nachwuchsförderung umzusetzen und ein symbolisches Nutzungsentgelt für die überlassenen Rechte zu zahlen.

 

Bei der Präsidentenrunde am vergangenen Wochenende in Bielefeld wurde der Grundlagenvertrag von den einzelnen Landesverbandspräsidenten mehrheitlich abgelehnt. Über die Gründe der Ablehnung wurde Stillschweigen vereinbart. Auch zur Diskussion vor der Abstimmung wurde kein Bundesligavertreter eingeladen, weshalb es hier bislang keine Informationen zu den Hintergründen der Entscheidung gibt.

 

Bereits während der laufenden Verhandlungen der letzten Monate war aber immer wieder zu hören, dass die großen Streitpunkte die Höhe des Nutzungsentgelts, die Regelungen zur Nachwuchsförderung und die Mitbestimmungsrechte der Landesverbände waren.

 

Gibt es noch Möglichkeiten auf eine Einigung?

Momentan sieht es nicht danach aus denn die Fronten scheinen verhärtet. Bei vielen Bundesligisten sieht man nicht ein, wieso zusätzliches Geld gezahlt werden sollte, da man eigentlich Geld erwartet. Auch bei der Nachwuchsförderung sind die meisten Vereine nicht zu weiteren Zugeständnissen im Grundlagenvertrag bereit.

 

In fünf Wochen wird es eine erneute Tagung der Bundesligavertreter geben, bei der möglichst konkrete Beschlüsse gefasst werden sollen, wie man auf die aktuelle Situation reagiert.

 

Was bedeutet die Entscheidung für die Bundesliga ab der kommenden Saison?

Bei einem Großteil der Bundesligisten, welche in den vergangenen Monaten vehement an einer Einigung bzgl. des Grundlagenvertrags gearbeitet hatten, ist die Enttäuschung aktuell groß. Sie sind frustriert, dass eine positive Entwicklung des Ligaspielbetriebs, der auch die Sportart insgesamt fördern könnte, blockiert wird. Laut führenden Bundesligavertretern möchte man nicht so weitermachen wie bisher, wenn keine Lösung gefunden wird und die Zukunft ist mehr als ungewiss.

 

Eine angedachte Möglichkeit wäre die Gründung einer unabhängigen Profiliga, losgelöst vom DBV. Was dann mit dem aktuellen Ligabetrieb passiert und wie sich die Profiliga finanziell mit Blick organisiert, sind nur einige der vielen offenen Fragen die durch eine komplette Selbständigkeit der Liga entstehen würden. Eine entscheidende Rolle könnten die Nationalspieler bekommen, denn ein Großteil von ihnen ist auf den Zuverdienst aus dem Ligabetrieb angewiesen, um dem Sport nachgehen zu können. Ob der DBV den Nationalspielern einen Start in einer unabhängigen Profiliga überhaupt erlauben würde, wäre zudem eine weitere offene Frage.

 

Red

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