All England Open 2018 - absolute Spitzenklasse zu Besuch in Europa

Juhl / Pedersen mit dem Titel im Damendoppel. Bild: Bernd Bauer
Juhl / Pedersen mit dem Titel im Damendoppel. Bild: Bernd Bauer

Die diesjährigen All England Open haben ihre Zuschauer keinesfalls enttäuscht. So sind die Erwartungen doch jedes Jahr wieder hoch, wenn das prestigereichste und eines der ältesten Turniere des Badmintons ansteht. Als Teil der neuen HSBC BWF World Tour befinden sich die All England Open in der höchsten Klasse der „Super 1000“ und bieten den Spielern damit insgesamt 1.000.000$ Preisgeld.

Ab der diesjährigen Ausgabe gibt es mit Einführung der World Tour keine Qualifikationsrunde mehr - somit standen sich in allen Disziplinen 32 Spielerinnen und Spieler gegenüber. Ein weiterer Anhaltspunkt für ein Turnier der absoluten Spitzenklasse.

 

Das Mixed-Finale versprach, eine absolut besondere Begegnung zu werden. Egal wie es ausgehen würde, am Ende würde es auf die eine oder andere Weise in die Badminton-Geschichtsbücher eingehen. Gegenüber standen sich Zheng Siwei / Huang Yaqiong und Yuta Watanabe / Arisa Higashino. Eine besondere Leistung hat Zheng erbracht, indem er sich momentan auf Weltranglistenplatz 1 befindet – und zwar mit seiner ehemaligen Spielpartnerin Chen Qingchen, obwohl er seit dem Abschlussturnier in Dubai 2017 nicht mehr mit ihr angetreten ist. Gleichzeitig befand er sich mit seiner neuen Partnerin auf einer starken Serie von mittlerweile 6 Finalteilnahmen in Folge und auf Weltranglistenplatz 14. 

 

Die japanische Paarung, ungesetzt ins Turnier gestartet, hat in der ersten Runde bereits für Aufsehen gesorgt, indem sie die an 3 gesetzten Tang / Tse aus Hongkong-China aus dem Turnier warfen. Im weiteren Turnierverlauf „beseitigten“ sie zudem die Lokalmatadoren Chris und Gabby Adcock, zum Leidwesen der Heim-Fans, sowie die an Acht gesetzte Paarung Zhang Nan / Li Yinhui. 

 

Arisa Higashino, gerade einmal 21 Jahre alt, machte bereits im Halbfinale durch ihre ungewöhnlichen Jumpsmashes, starke Abwehrreflexe sowie ein absolut dominantes Netzspiel auf sich aufmerksam. Zusammen mit ihrem Partner Yuta Watanabe, auch nur 20 Jahre alt, gewannen die beiden in drei actiongeladenen Sätzen gegen die vermeintlich favorisierte chinesische Paarung nach einem zunächst schwachen Start 15:21, 22:20, 21:16. Damit gewann bei den All England zum ersten Mal überhaupt ein männlicher japanischer Spieler, zudem hat zuvor noch nie ein japanisches Mixed ein Turnier der Superseries-Klasse gewonnen.

 

Im Dameneinzel lag es an Tai Tzu Ying, derzeit unangefochtene Weltranglistenerste mit zahlreichen Turniersiegen in der Tasche, ihren letztjährigen Titel zu verteidigen. Dabei stieß sie erst im Halbfinale auf ernsthaften Widerstand. Einzig Chen Yufei, Chinas aktuelles Top-Jungtalent, schaffte es, Tai zu einem Entscheidungssatz zu zwingen. Im Finale stand ihr ihre direkte Verfolgerin in der Weltrangliste, die hier auch entsprechend an Zwei gesetzte Akane Yamaguchi gegenüber. War es im ersten Satz mit 22:20 noch knapp, konnte sich Tai Tzu Ying schlussendlich mit 21:13 deutlich durchsetzen und gewann ihren zweiten All England-Titel in Folge.

 

Nachdem Lin Dan in der mittlerweile 38. Auflage des Klassikers gegen Lee Chong Wei die Oberhand behielt, und sich Shi Yuqi gegen Son Wan Ho durchsetzte, war klar, dass das Herreneinzel eine rein chinesische Angelegenheit werden würde. Ein Jahr zuvor hatte der 12 Jahre jüngere Chinese Lin Dans Titelträume bereits im Halbfinale beendet. Dieses Mal sollte es für den Rekordspieler kein besseres Ende geben: Shi Yuqi gewann den großen Titel mit 21:19, 16:21, 21:9.

 

Im Damendoppel dauerte es nicht weniger als 53 Jahre bis sich Dänemark wieder einen Titel bei den All England sichern konnte: Kamilla Rytter Juhl und Christinna Pedersen konnten sich in zwei Sätzen (21:19, 21:18) gegen die Japanerinnen Yuki Fukushima und Sayaka Hirota durchsetzen, gegen die sie noch eine Rechnung offen hatten: Bei den Weltmeisterschaften schieden die Däninnen im Halbfinale gegen die gleiche Paarung aus.

 

Das Herrendoppel wurde, wie das Dameneinzel, von den Titelverteidigern bestritten. Seit den Weltmeisterschaften in Glasgow befinden sich die „Minions“ Marcus Fernaldi Gideon / Kevin Sanjaya Sukamuljo auf Siegeskurs. Mit Ausnahme der Denmark Open 2017 (Platz 2) konnten die jungen Indonesier jedes Turnier gewinnen, welches sie seitdem bestritten. Mit einer schier unglaublichen Geschwindigkeit und teilweise seltsam anmutenden Bewegungen haben sich die beiden den Platz an der Weltspitze erkämpft. Im heutigen Finale gegen die Altmeister Mathias Boe und Carsten Mogensen haben sie ihr typisches Spiel abgeliefert und den Dänen (fast) keine Chance gelassen, die Kontrolle über das Spiel zu erlangen. So gewinnen sie ihren sechsten Titel in Folge mit 21:18, 21:17.

 

 

Simon Hölscher

Kommentar schreiben

Kommentare: 0