Bjarne Geiss und Jan Colin Völker im Interview

Bild: Lennard Jessen
Bild: Lennard Jessen

Sie spielen beide seit Januar dieses Jahres gemeinsam im Herrenbereich Badminton auf nationaler und internationaler Bühne mit bereits mehreren großen Erfolgen in dieser kurzen gemeinsamen Zeit: Bjarne Geiss (Blau-Weiß Wittorf), amtierender Sportler des Jahres in Neumünster, und Jan Colin Völker (TV Refrath) holten Bronze bei den diesjährigen Deutschen Meisterschaften und gewannen bereits zwei internationale Turniere. Das Duo, das gemeinsam am Olympiastützpunkt Saarbrücken an der Hermann-Neuberger-Sportschule trainiert, ist Deutschlands jüngstes Doppel im nationalen Herren-Spitzenbereich. Beide nehmen neben ihrer Profikarriere im Herbst ein Studium auf. Der Courier hörte sich jetzt bei den erfolgreichen Nachwuchsathleten um.

 

Ihr konntet mit den KaBaL International und den White Nights bereits zwei internationale Turniere in den letzten Monaten gewinnen und habt dabei eine ganze Reihe vor euch gesetzter Spieler geschlagen. Was ist euer Erfolgsrezept und was macht euch so stark?

 

Völker: „Wir sind bisher nie in der Favoritenrolle gewesen und konnten daher immer relativ frei aufspielen. In der Jugend, wo wir im nationalen Bereich bereits schon einmal zusammenspielten, haben wir uns immer viel Stress gemacht, wenn wir hinten lagen. Mittlerweile sind wir gelassener und sind umso stärker, je länger die Spiele dauern.“ Geiss fügt hinzu: „Unser Spiel ist sehr variabel und somit sind wir schwer für andere Gegner auszurechnen.“

 

Eure Erfolge kommen nicht von ungefähr und sind mit hartem Training verbunden. Wie sieht euer Training aus und wo liegen die Schwerpunkte?

 

„Wir trainieren täglich zweimal zusammen zwei Einheiten Badminton. Dazu kommen dann noch Kraft- und Ausdauereinheiten, wo jetzt im Sommer der Fokus liegt. Im technischen Bereich konzentrieren wir uns derzeit auf das Training unseres Abwehrverhaltens. Das Training findet immer mit unserer Trainingsgruppe und den betreuenden Bundestrainern hier direkt am Olympiastützpunkt statt“, so Geiss und Völker unisono.

 

Bis November stehen noch insgesamt sechs internationale Weltranglistenturniere auf eurem Plan. Derzeit liegt ihr auf Rang 132 der Weltrangliste. Was sind eure Ziele bis Jahresende?

 

„Wir wollen in der Weltrangliste bis Jahresende mindestens in die TOP 100 einziehen. Wenn es gut läuft, haben wir auch Möglichkeiten, die TOP 80 zu erreichen“, erklärt Völker.

 

Vom 15. bis 21. Oktober steht die Universitäts-Weltmeisterschaft in Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur erstmals auf dem Plan. Ihr startet damit das erste Mal in Asien. Was rechnet ihr euch da aus?

 

„Das ist relativ schwierig einzuschätzen für uns, da es erstens noch weit weg ist und wir zweitens nicht wissen, wer daran teilnimmt. Es wird sicher eine super Erfahrung werden und wir versuchen alles mitzunehmen, was möglich ist. In Deutschland nimmt der Allgemeine Deutsche Hochschulverband (ADH) in Abstimmung mit dem Deutschen Badminton Verband (DBV) die Nominierungen vor, sodass nur einige Deutsche daran teilnehmen können. Wir freuen uns natürlich sehr, dass wir ausgesucht wurden“, kommentiert Geiss, der zusammen mit Völker ab dem kommenden Wintersemester ein Studium beginnt.

 

Gibt es im Doppel Besonderheiten im Training und im Allgemeinen im Vergleich zum Einzel?

 

„Das Doppel ist sehr viel schneller und die Reaktionszeiten sind daher viel kürzer. Wir haben im Vergleich zum Einzel auch höhere taktische Elemente, da wir uns im Training ja auf unseren Partner einstellen und somit auch seine Bereiche immer gleichzeitig mittrainieren müssen“, beurteilt der ehemaliger Wittorfer Völker das Doppel.

 

Kommende Saison spielt ihr beide in der höchsten deutschen Spielklasse in der 1. Bundesliga in euren Vereinen. Möglicherweise werdet ihr auch gegeneinander antreten müssen, wenn der TV Refrath auf den Aufsteiger Blau-Weiß Wittorf trifft. Wie geht ihr damit um?

 

„Das ist ein Spiel wie jedes andere auch, sodass wir da entspannt mit umgehen. Wir spielen dann für unseren jeweiligen Verein, was ja auch irgendwie dazu gehört“, sagt Geiss.

 

Im Februar habt ihr Bronze bei den Deutschen Meisterschaften in Bielefeld geholt. Wie weit seid ihr noch von der Herren-Nationalmannschaft entfernt? Wie stehen eure Chancen?

 

„Dies liegt in erster Linie an den Trainern und unseren Ergebnissen auf den Weltranglisten. Wir sind aber zuversichtlich, dass wir bei den kommenden „Deutschen“ erneut mindestens das Halbfinale erreichen und in den Folgejahren auch mal weiterkommen werden. Unser erster Einsatz für die Nationalmannschaft ist sicher nicht mehr so lange entfernt. Das ist auf jeden Fall auch eines unserer nächsten Ziele“, so das junge deutsche Duo weiter.

 

Eine Profikarriere ist ohne Unterstützung von Sponsoren unmöglich. Wie sieht das bei euch aus und was bietet ihr Sponsoren?

 

„Ohne die Bundeswehr, bei der ich das große Glück habe, in Mainz Mitglied der Sportfördergruppe zu sein, könnte ich nicht hier am Olympiastützpunkt in Saarbrücken trainieren. Auch habe ich mit meinem Ausrüster Yonex einen langjährigen Unterstützer an meiner Seite. Bjarne und ich haben jetzt eine gemeinsame Facebook-Seite gestartet und werden in Kürze auch auf Twitter und Instagram zu verfolgen sein“, sagt Völker. „Ich freue mich sehr über die Unterstützung durch meinen langjährigen Ausrüster VICTOR International GmbH, den Sportpool Neumünster, das Team Schleswig-Holstein und die Sportfördergruppe der Sporthilfe. Wir präsentieren unsere Sponsorenlogos auf unserer Ausrüstung und auf unseren Auftritten in den sozialen Medien, wo wir regelmäßig Berichte zu unserer Entwicklung einstellen“, erklärt Geiss weiter, dessen mit Völker gemeinsame Facebookseite bereits über 500 Follower zählt.

 

Zu guter Letzt: Blicken wir mal nach vorne: Ist Olympia 2024 euer langfristiges Ziel? Wo seht ihr euch in fünf Jahren?

 

„Olympia und eine Medaille bei diesem prestigeträchtigen Turnier ist sicher von jedem Sportler das größte Ziel, so natürlich auch bei uns. Wir hoffen, dass wir auch in fünf Jahren noch gemeinsam Doppel spielen werden und wollen in der Weltrangliste mit kontinuierlichen Leistungen in den TOP 20 der Weltrangliste vertreten sein“, blicken Geiss/Völker gemeinsam nach vorne.

 

Lennard Jessen