Warum Bundesliga?

Ein Kommentar von Tobias Wadenka

Die letzten Bundesligaspiele der laufenden Saison finden trotz der aktuellen Entwicklungen bzgl. des Coronavirus statt, so die scheinbar endgültige Entscheidung des DBV und des Deutschen Liga Verbandes. "Die Spiele finden also statt, wobei die Verantwortung letztlich bei den örtlichen Behörden liegt." Aus meiner Sicht eine katastrophale Entscheidung aus mehreren Gründen.

Keinesfalls weil ich keine Lust habe, Badminton zu spielen, ich würde unheimlich gerne am Wochenende mit meinem Team auf dem Feld stehen und besonders Mülheim am Sonntag einen angemessenen und sportlichen Abschied vor heimischen Publikum ermöglichen.

 

Angst ist auch nicht der Grund, zumindest nicht die Angst um meine eigene Gesundheit. Die Zahlen zu den Wahrscheinlichkeiten, als junger und gesunder Mensch an den Folgen von Covid-19 zu sterben sind denke ich inzwischen Allen bestens bekannt. Doch wenn ich in andere europäische Länder blicke und auch die Entwicklung in Deutschland sehe, kann ich einfach keinen einzigen akzeptablen Grund für die Entscheidung finden, Spieler aus allen Ecken Deutschlands und Europas noch einmal zusammenkommen zu lassen. 

 

Sportliche Bedeutung:

Ja, es gibt noch einige Teams, für die es in der ersten Liga bzgl. der Playoffplätze rauf oder runter gehen könnte, aber ich habe allerstärkste Zweifel, dass es überhaupt zu Playoffs oder einem Final Four in diesem Jahr kommen wird. Und selbst wenn fürchte ich, dass die Entscheidung um die Meisterschaft aufgrund von Einreisebeschränkungen der vielen ausländischen Spieler zu einer absoluten Farce verkommen würde. bzgl. Auf- und Abstieg ist durch die beiden Rückzüge von Freystadt und Mülheim bereits alles geklärt.

 

Keine Frage, jedem Sportfan tun die Absagen der ganezn Sportevents in den letzten Tagen weh, so auch mir. Vor einigen Tagen war ich bei einigen Absagen noch skeptisch und habe sie als überhastet abgetan, inzwischen denke ich anders.

 

Finanzielle Gründe?

Die  Rückzüge von Freystadt und Mülheim widerlegen denke ich direkt, dass eine Absage wirklich negative finanzielle Konsequenzen auf die Bundesligateams hätte. Die Bundesliga ist derzeit kein Business, in dem Teams wirklich Geld verdienen und den restlichen Verein darüber finanzieren, sondern es ist eher umgekehrt. Daher kann ich mir nicht vorstellen, dass Teams aus finanziellen Gründen auf die Spieltage angewiesen sind.

 

Was passiert aber nun, wenn ein Team sich weigert anzutreten oder aufgrund von Einreiseregulationen, Erkrankungen oder Bedenken bzgl. der Reise Probleme hat, eine Mannschaft zusammenzustellen. Laut meiner derzeitigen Info würde es eine Geldstrafe im vierstelligen Bereich und eine Annullierung aller bisherigen Spiele der Saison nach sich ziehen.  Bei der finanziellen Verfassung der meisten Vereine für viele wohl keine wirkliche Option.

 

Keine 1000 Zuschauer bei den Spielen:

Ja, es wird wohl bei keinem Bundesligaspiel auch nur annähernd an dieser Marke gekratzt werden und mit Sicherheit finden (derzeit auch noch) Veranstaltungen mit mehr Menschen statt. Wenn man aber in andere betroffene Länder schaut sieht man schnell, dass auch eine Beschränkung von Veranstaltungen das schnelle Ausbreiten der Erkrankung nicht stoppt, sondern nur ein konsequenter Stopp.

 

Die aktuellen Zahlen über erkrankte Personen haben nichts mit der Realität zu tun, höchstens vielleicht mit einem geschönten Blick in die Vergangenheit, da Infizierte ja nicht direkt Symptome zeigen. In Verbindung mit der vermutlich sehr hohen Dunkelziffer liegt die Zahl also mit Sicherheit sehr weit über den nachgewiesenen  Fällen (Stand jetzt 2500) und wird in den nächsten Tagen ohne Frage weiter steigen.  Wie eingangs bereits angesprochen werden wir hier früher oder später auch an einen Punkt kommen, an dem die Situation drastischere Maßnahmen als die Absage von Großevents nach sich ziehen wird (und ja auch stellenweise schon nach sich zieht.)

 

Spätestens seit Italien sollte man denke ich sehen, dass der Vergleich von Corona und einer normalen Grippewelle mehr als hinkt, da es weder einen Impfstoff gibt, noch genügend Kapazitäten für eine medizinische Behandlung der kritischen Fälle, wenn die Zahl der Erkrankungen immer weiter ansteigt. Panik ist sicher nicht angebracht und Panik ist das Letzt was ich hiermit befeuern will, aber ich denke es ist höchste Zeit zu hinterfragen, welche Veranstaltungen wirklich nötig sind und welche nicht.

 

Wie geht es weiter?

Natürlich kann man also sagen, dass die Zahl der nachgewiesenen Fälle noch nicht so hoch ist und ein Bundesligaspiel im Badminton ja ohnehin wenig Einfluss haben wird. Man kann abwarten, bis dann auch in Deutschland jegliche Veranstaltungen von höheren Instanzen abgesagt werden. Oder man setzt direkt ein Zeichen und versucht das aus meiner Sicht Unausweichliche nicht noch unnötig herauszuzögern. In diesem Artikel wird finde ich sehr schön deutlich, welchen Unterschied auch nur ein weiterer Tag ohne Maßnahmen auf die Entwicklung des Virus in der Zukunft haben kann und auch wenn es vielleicht nur einer kleiner Teil ist, könnte die Badminton Bundesliga  trotzdem etwas beitragen- wenn die Verantwortlichen nur wollen.

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Kommentare: 3
  • #1

    Sven Heise (Donnerstag, 12 März 2020 23:13)

    Ich fände es unsinnig, jeden Spielbetrieb einzustellen und würde daher die unteren Spielklassen auf jeden Fall zu Ende spielen. Bei uns fehlt nur noch ein Spieltag und Zuschauer gibt es dort ja sowieso nicht. Trainieren wird man ja auch noch. In der Bundesliga ist es jetzt allerdings recht sinnlos. Absteiger gibt es nicht und dass das Final Four stattfindet, kann ich mir aktuell nicht vorstellen. Ich hoffe noch, dass die Swiss Open wenigstens ohne Zuschauer ausgetragen werden. Dass die All England ohne Rücksicht auf Verluste mit tausenden Zuschauern ausgetragen werden, finde ich unglaublich. Die Engländer halten sich wohl für immun.

  • #2

    Hans Werner Niesner (Freitag, 13 März 2020 09:40)

    Danke Tobias, für diese ausführliche Analyse, der ich nur zustimmen kann!
    Was die unteren Spielklassen betrifft gebe ich (zurzeit) Sven Heise (vielleicht noch) Recht

  • #3

    Johann Niesner (Samstag, 14 März 2020 09:57)

    Sehr gute Analyse Tobi!
    Mittlerweile hat man diesbezüglich ja auch reagiert.
    Wenn auch ziemlich spät.